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Initial Margin für nicht geclearte Derivate: Was ist das?
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Initial Margin für nicht geclearte Derivate: Was ist das?

03/05/2018

Nach den ersten beiden Einführungswellen im September 2016 und September 2017 wirkt sich die geforderte Initial Margin für nicht zentral abgewickelte Derivate auf eine wachsende Zahl an Marktteilnehmern aus. Gegen Ende dieses Jahres wird es eine weitere Welle geben, wobei erwartet wird, dass große institutionelle Anleger 2019 und 2020 von den Vorschriften betroffen sind

Neue Marktregeln für nicht geclearte Derivate

In naher Zukunft wird Initial Margin für viele Marktteilnehmer eine neue Praxis sein. Diese wird, basierend auf dem durchschnittlichen Gesamtnennwert (Aggregate Average Notional Amount, kurz: AANA) für nicht geclearte Derivate, schrittweise eingeführt.

Welche Gegenparteien sind betroffen?

Ab Mai 2018 sind de facto nur Gegenparteien mit nicht geclearten Derivaten im Wert von über 2.250 Mrd. Euro betroffen. Heute sind dies weltweit 28 Gegenparteien, doch wie unten illustriert, sinkt die Schwelle von heute 2.250 Mrd. Euro bis September 2020 auf 8 Mrd. Euro, sodass viele weitere Finanzinstitute kauf- und verkaufsseitig in den Geltungsbereich der Vorschrift fallen werden.

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Um welche Transaktionen mit nicht geclearten Derivaten geht es?  

Der Umfang der bei der Schwellenberechnung berücksichtigten Transaktionen ist in den großen Staaten Europas, des asiatisch-pazifischen Raums und der USA weitgehend identisch. So sind beispielsweise physisch abgewickelte Devisentermingeschäfte und Swaps jetzt in allen Ländern ausgeschlossen.  Manche Staaten (so etwa Hongkong bei Aktienoptionen) können jedoch vorübergehende Ausnahmeregelungen erlassen.

Um welche Transaktionen mit nicht geclearten Derivaten geht es?

Abgesehen von kleineren kaufseitigen Akteuren, wird bis 2020 eine große Zahl an Gegenparteien mit nicht geclearten Swaps einen erheblichen Sicherheitenbetrag hinterlegen müssen, um den aufsichtsrechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Darüber hinaus ist ein spezielles Rahmenwerk einzurichten, um die neue Vorschrift zu erfüllen.

Entwicklung neuer Geschäftsmodelle

Die Anforderungen bezüglich der Variation Margin wurden im Laufe der vergangenen zehn Jahre schrittweise eingeführt, was den Marktteilnehmern Zeit gab, sich an das neue System zu gewöhnen. Im Unterschied dazu wird die Initial Margin in einem deutlich kürzeren Zeitraum umgesetzt. Darüber hinaus handelt es sich dabei für viele Unternehmen, insbesondere auf der Kaufseite, um ein neues Konzept.

Wie wird die Initial Margin berechnet?

Die Berechnung der Initial Margin muss nach einer bestimmten Methode erfolgen: entweder auf der Basis einer Tabelle oder der neu definierten „Standard Initial Margin Method“, die auch als SIMM abgekürzt wird.

  • Zunächst beruht die Berechnung auf Risikofaktoren, die aus geeigneten Datenquellen extrahiert werden.
  • Bei der Ermittlung der erforderlichen Initial Margin haben die Unternehmen zu gewährleisten, dass das Modell ausreichend skalierbar ist und regelmäßig Stress- bzw. Backtests unterzogen wird.
  • In vielen Staaten (etwa der Europäischen Union) müssen die Firmen eine Lizenz zur Nutzung der SIMM bei der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) einholen – selbst wenn sie auf einen externen Anbieter zurückgreifen.

Welche neuen Prozesse für die Verwaltung der Initial Margin gibt es?

Die Herausforderung ist nicht allein auf die Berechnung der Initial Margin beschränkt. Vielmehr ist eine bestimmte Anzahl an neuen Prozessen umzusetzen: 

• Portfolios müssen in einer speziellen Marktressource (AcadiaSoft Exposure Manager) abgeglichen und verrechnet/zusammengeführt werden. Auch dies erfordert IT-Anpassungen sowie operative Schulungen und Fachkenntnis.

• Konzeptuell ist der mit der Initial Margin verbundene Prozess dem für die Variation Margin geltenden recht ähnlich, doch kann Letzterer nicht einfach repliziert werden:

  • Die Initial Margin wird zwischen den Parteien ausgetauscht. Mit den neuen Vorschriften handelt es sich um einen gegenseitigen Bruttoeinschussprozess. Dies bedeutet, dass jede Partei Sicherheiten sowohl aus der Perspektive des Pfandgebers als auch des Pfandnehmers zu übertragen hat.
  • Die Parteien müssen sich mit jeder Gegenpartei auf die Mindestübertragungsbeträge (Minimum Transfer Amounts, MTAs), die Schwellen für die Initial Margin, die in Frage kommenden Sicherheiten sowie Sicherheitsabschläge einigen. Diese Informationen sind den Custodians mitzuteilen.
  • Des Weiteren ist für jede Gegenpartei auch der Mindestübertragungsbetrag zwischen Initial Margin und Variation Margin zuzuweisen – wobei die potenziellen Auswirkungen von Optimierungen in der laufenden ISDA-Dokumentation zu erwähnen sind.

Worin besteht das Pfand bei der Initial Margin?

Und damit sind längst noch nicht alle Hindernisse überwunden! Da die Initial Margin zugunsten der Gegenpartei verpfändet werden, ist ein spezielles Custody-Rahmenwerk umzusetzen. Das neue Rahmenwerk basiert auf einer eigens abzuschließenden Kontenkontrollvereinbarung (Account Control Agreement, ACA), die zwischen den Parteien und einem Custodian abgeschlossen wird. Der Custodian kann entweder ein Tri-Party-Vermittler oder ein externer Custodian sein.

Alle Parteien führen eine eigene Bewertung durch, um das beste Arrangement zu identifizieren, aber auch um sicherzustellen, dass der ausgewählte Custodian über ein regelkonformes Rahmenwerk verfügt. Der Custodian muss diverse Kästchen ankreuzen und den vollen Schutz der Sicherheiten durch Folgendes garantieren:

  • geeignete Pfandmechanismen;
  • ein insolvenzsicheres rechtliches Rahmenwerk auf der Basis eines ACA in Einklang mit den aktuellen Margin-Anforderungen, das durch ein externes Rechtsgutachten gestützt wird;
  • ein durchsetzbares Ausfallverfahren, das beide Gegenparteien zufrieden stellt.

Auf die Veränderung vorbereitet sein

Unternehmen sollten sich all diese Veränderungen dringend bewusst machen, da es bei der Umsetzung des Rahmenwerks für die Initial Margin nicht nur um den Aufbau von Konnektivität und Verfahren geht. Vielmehr wird die Umsetzung gewisse Zeit in Anspruch nehmen und Marktteilnehmer, die noch nicht damit begonnen haben, könnten zu spät dran sein, um die Frist noch einzuhalten. Zudem verfügen die Custodians und Dienstleister möglicherweise nicht über ausreichende Kapazitäten, um jedes Unternehmen aufzunehmen. Die aus der Frist im März 2017 gewonnenen Erfahrungen haben gezeigt, dass Nachzügler es schwer hatten, rechtzeitig eine Lösung zu finden, und bis zu dem Punkt bestraft wurden, zunächst nicht am Handel teilnehmen zu dürfen.

Bei der Betrachtung verschiedener Arrangements sollten Firmen die Umsetzungskosten ihrer eigenen operativen und technischen Kapazitäten beurteilen und sie mit einer Outsourcing-Lösung vergleichen, bei der sie sich darauf verlassen können, dass ein externer Anbieter die Einhaltung der neuen Vorschriften gewährleistet. Die Herausforderung bei der Auswahl eines externen Anbieters liegt darin, zu erkennen, wer die beste Kombination aus Berechnungen, Sicherheitenverwaltung und Custody Services anbieten kann. Darüber hinaus muss die Wirkung der Umsetzung eines neues Arrangements im Hinblick auf das aktuelle Rahmenwerk für die Variation Margin berücksichtigt werden, da die Initial Margin mit dem Variation Margin-Prozess verbunden ist.

Zentrale Erkenntnisse

  • Zunächst ist die Initial Margin „gegenseitig“, d.h. jede Partei muss gleichzeitig Sicherheiten für ihre Gegenparteien bereitstellen und entgegennehmen.
  • Zweitens ist die Initial Margin nach speziellen Methoden zu berechnen: anhand eines tabellenbasierten Modells oder nach der ISDA Standard Initial Margin Method (SIMM).
  • Drittens wird die Initial Margin zugunsten der Gegenpartei verpfändet (und nicht als Gesamttitel übertragen) und muss bei einem externen Custodian gehalten werden, der mit keiner Gegenpartei verbunden ist.
  • Die Sicherheit kann nicht weiterverwendet oder weiterbeliehen werden und muss strengen Konzentrations- und Korrelationsrisikogrenzen gerecht werden.
  • Schließlich basiert der vertragliche Rahmen auf speziellen Kontenkontrollvereinbarungen, die zwischen den Gegenparteien und dem Custodian unterzeichnet werden.

Einfache Lösung für komplexe Fragen

Ein effektives Management der Initial Margin ist unverzichtbar. BNP Paribas Securities Services unterstützt die Marktteilnehmer bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen hinsichtlich der Sicherheitenstellung mit einer breiten Lösungspalette, darunter:

  • Berechnung der Initial Margin, auch nach der SIMM;
  • Konnektivität zu Marktressourcen;
  • Dienstleistungen für Initial Margin und Variation Margin;
  • sicheres, gesetzeskonformes Custody-Rahmenwerk.
Einfache Lösung für komplexe Fragen

Weitere Informationen

Memo zur European Market Infrastructure (EMIR)-Verordnung - hier

Willkommen im Tri-Party-Geschäft - hier

Herausforderung Sicherheitenmanagement in Europa - hier

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