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Von der Steinverwaltung zur Darlehensverwaltung
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Von der Steinverwaltung zur Darlehensverwaltung

07/09/2017

Warum private Schuldtitel gefragt sind

Das Konzept „Schulden“ ist älter als Geld. Mit Schulden wurde schon in frühzeitlichen Zivilisationen sehr effizient Handel betrieben. Im Mittelalter hielt das englische Schatzamt Schulden auf „Kerbhölzern“ fest (und weil letztere in Brand gerieten, brannte 1834 der ursprüngliche Palace of Westminster nieder). Bis in die 1940er Jahre verwendete eine Insel im Südpazifik riesige, unbewegliche Steine namens „Rai“ zur Aufzeichnung und Tilgung von Schulden. Da die Steine aufgrund ihres Gewichts nicht bewegt werden konnten, beruhte das System auf einer mündlich weitergegebenen Eigentümerliste. Aufzeichnungen hinsichtlich Investitionen und Darlehen wurden in den Stein eingraviert.

Die Verwaltung privater Anlagen gestaltet sich bei modernen, institutionellen Anlegern etwas komplexer und das gilt insbesondere für private Schuldtitel, die eine Kategorie von Anlageklassen darstellen, die sich in Europa wachsender Beliebtheit erfreut. Die prinzipielle Einfachheit, die dem System zugrunde liegt, ist jedoch mit ein Grund dafür, warum diese Anlageklasse wächst.

Typische Beispiele für private Schuldtitel sind Leveraged Loans, Infrastrukturkredite, Direktkredite und Mittelstandskredite. Sie können danach in Schuldtitel-Fonds (Debt Funds) eingestuft werden, die nicht börsengehandelt sind und die keine zentrale Clearing-Stelle haben.

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die für private Schuldtitel erforderliche Infrastruktur zur Anleiheverwaltung.

Private Schuldtitel sind gefragt

Bei Preqin ist nachzulesen, dass Anfang des Jahres 2017 die verwalteten Vermögenswerte (AuM) aus privaten Schuldtiteln bei knapp 600 Mrd. USD lagen. Das ist ein Wachstum um das Vierfache innerhalb des letzten Jahrzehnts. Öffentliche und private Altersvorsorgeeinrichtungen machen dabei über die Hälfte (56 %) der Fremdmittelfonds-Allokationen aus. Was war der Grund für das Wachstum?

Die Krise im Jahr 2008 und die nachfolgenden gesetzgeberischen Maßnahmen wie Basel III sorgten dafür, dass Banken ihre Bilanzen reduzierten und das gehaltene Kapital anhoben. Dies wiederum verringerte die Verfügbarkeit traditioneller Bankkredite. Als sich die Weltwirtschaft von dem Abschwung erholte, wuchs die Kreditnachfrage, insbesondere von kleineren und mittleren Unternehmen, stark.

Das entstandene Vakuum schuf Markteintrittschancen für neue Arten von Kreditgebern.

  • Für Altersvorsorgeeinrichtungen haben private Schuldtitel etliche Vorzüge.
  • Es handelt sich um besicherte Schuldtitel, meist mit vorrangiger Kapitalstruktur, die mehr Schutz bieten, als festverzinsliche Instrumente mit vergleichbarem Zinssatz.
  • Vermögenswerte auf Grundlage von privaten Schuldtiteln zahlen aufgrund der fehlenden Zweithandelsoption meistens einen Aufschlag im Vergleich zu börsengehandelten Anleihen mit vergleichbarem Zinssatz. Angesichts der normalerweise langfristigen Verbindlichkeitsprofile können sich Altersvorsorgeeinrichtungen diesen Illiquiditätsaufschlag zunutze machen.
  • Die geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen macht sie zu einem starken Mitbewerber für Diversifikationsstrategien.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Anleger ist der potenzielle Vorteil durch Zinssatzanstiege. Da die Zinssätze an die Kenngrößen des Marktes angepasst werden (normalerweise vierteljährlich), reagieren Schuldtitel-Fonds allgemein weniger empfindlich auf Zinssatzbewegungen als normale, festverzinsliche Titel. Stärkere wirtschaftliche Aktivitäten können sich somit häufig auf Anleihen mit längerer Laufzeit auswirken, wenn die Zinssätze steigen und die Kuponpreise fallen. Dieselben Entwicklungen sind aber positiv für Anleger in Schuldtitel-Fonds, da ihre Renditen aufgrund der variablen Zinsstruktur der Fonds steigen.

Der Löwenanteil des Marktes für private Schuldtitel befindet sich in den USA. Der europäische Markt steckt wohl noch in den Kinderschuhen, aber die Nachfrage wächst. In Europa wurden Schulden traditionellerweise über besicherte Darlehenstitel (Collateralised Loan Obligations, CLO) realisiert. Heute sehen wir aber private Schuldenaufnahme in Form breiter besicherter Konsortialkredite bzw. Konsortialanleihen und direkter originärer Kredite bzw. Anleihen.

Die Infrastruktur hinter dem privaten Schuldenmarkt

Altersvorsorgeeinrichtungen haben zwei Zugangswege in den privaten Schuldenmarkt: durch Direktanlagen (wobei die Altersvorsorgeeinrichtung als Direktdarlehensgeber auftritt) und mittels Schuldtitel-Fonds (hierbei legt die Altersvorsorgeeinrichtung in einen Fonds an, der durch einen Asset Manager verwaltet wird). Bei der ersten Option kommt eine Darlehensverwaltung zum Einsatz, bei der letzteren sind sowohl Darlehens- als auch Fondsverwaltung erforderlich.

Legt eine Altersvorsorgeeinrichtung direkt an, bringt sie den Anlagebetrag auf, bewertet das Kreditrisiko, führt eine Due Diligence durch (möglicherweise unter Hinzuziehung eines Beraters) und handelt die Rahmenbedingungen des Schuldtitels aus. Über derart umfassendes Fachwissen verfügen normalerweise die größten und hochentwickelteren, selbstverwalteten Altersvorsorgeeinrichtungen.

Die fortlaufende Kreditüberwachung und Darlehensverwaltung ist während der gesamten Darlehenslaufzeit erforderlich. Sie kann bis zu einem gewissen Grad intern durchgeführt werden. Dies hängt von den Dienststellen für Risiko-Controlling und Finanzabwicklung der Altersvorsorgeeinrichtung ab und davon, ob diese Dienststellen verschiedene Spezialaufgaben übernehmen können. Sobald mehrere Direktanlagen im Portfolio einer Altersvorsorgeeinrichtung gehalten werden, kann die Verwaltung des Portfolios schnell komplex und zu zeitraubend werden.

Schuldtitel-Fonds werden über einen Asset Manager angeboten. Hier sehen wir eine breiter gefächerte Wertschöpfungskette. Der Asset Manager ermittelt nicht nur den Schuldtitel, sondern kümmert sich auch um die Finanzierung des Fonds, bestimmt den Geschäftssitz des privaten Schuldtitel-Fonds und führt das Tagesgeschäft. Die durch den Fonds gehaltenen Darlehen müssen aufgrund ihrer individuellen Charakteristika jeweils einzeln verwaltet werden.

Die Erfordernisse für die Darlehensverwaltung ändern sich je nach der angelegten Darlehensart: Direktdarlehen, d. h. bilaterale Darlehen, erfordern nicht dasselbe Ausmaß an Abwicklungsaktivitäten wie ein Portfolio, das aus handelbaren breit gefächerten Konsortialdarlehen besteht. Konsortialanleihen von Großunternehmen, die normalerweise relativ standardisiert sind, lassen sich über ihre Laufzeit hinweg einfacher verwalten als spezielle bilaterale Vereinbarungen.

Die Komplexität und Vielfalt der zugrunde liegenden Vermögenswerte bringt es mit sich, dass die Fondsverwaltung für private Schuldtitel eine Spezialisierung erfordert (Verständnis der unterschiedlichen Schuldstrategien und -instrumente) sowie die Fähigkeit, genau und zeitgerecht Buchhaltungs- und Berichts-/Meldeleistungen zu erbringen. Dazu zählen Finanzbuchhaltung und Buchhaltung, Handel, Barabwicklungen, Anlegerberichtswesen, Berechnung von Carried Interest und Leistungsvergütung, Berechnung von Ausgleichszahlungen und das gesetzlich vorgeschriebene Melde- und Berichtswesen.

Auswahl des externen Darlehensverwalters

Darlehensverwaltung ist ein hochspezialisierter Bereich. Für das Outsourcing bieten in Europa einige Spezialisten mit nachweislicher Erfahrung im Bereich private Schuldtitel und der entsprechenden speziellen Systeme ihre Dienste an. Bei der Auswahl eines Darlehensverwalters müssen Sie sich hinsichtlich der einschlägigen Erfahrung des Anbieters sicher sein – der Anbieter muss über ein speziell dafür abgestelltes Team und ein bereits vorhandenes Kundenportfolio verfügen. In gewisser Weise ist der Vorgang mit der Auswahl eines Asset Managers vergleichbar – zur Nutzung des vollen Potenzials dieser vielversprechenden Anlageklasse sind Fachkenntnisse erforderlich.

BNP Paribas bietet Asset Ownern Lösungen für Risiko-Controlling und Finanzabwicklung zur Verwaltung besicherter Darlehen entweder als Direktanlage oder als Teil spezieller Darlehensfonds. Wir verfügen auch über flexible Melde- und Berichtslösungen, die für jeden Darlehenstyp und für jedes Anlegerprofil maßgeschneidert sind. Asset Managern bieten wir ein vollintegriertes Service-Modell inklusive Darlehensverwaltung, Anlagebuchhaltung und Fondsverwaltung.

Ganz eindeutig ein riesiger Fortschritt gegenüber Steinen.

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