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Erholung von der Coronakrise: offizielle Institutionen an vorderster Front
Erholung von der Coronakrise: offizielle Institutionen an vorderster Front
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Erholung von der Coronakrise: offizielle Institutionen an vorderster Front

01/09/2020


Offizielle Institutionen – darunter Zentralbanken und supranationale Organisationen – sind durch die Corona-Pandemie auf die Probe gestellt worden. Nach Einschätzung des Marktes haben sie maßgeblich zur Abmilderung von Marktstörungen beigetragen. Im Rahmen der Anpassung an die Welt nach den Corona-Lockdowns werden wichtige offizielle Einrichtungen, wie z. B. in Europa die Europäische Investitionsbank (EIB), die Europäische Kommission und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), wohl eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung spielen. BNP Paribas Securities Services hat untersucht, wie offizielle Institutionen das Wirtschaftswachstum in der neuen Normalität voraussichtlich unterstützen werden.

Massive geldpolitische Reaktion

Die Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Abmilderung des durch die Coronakrise verursachten wirtschaftlichen Schadens hat beachtliche Dimensionen. Neben enormen Liquiditätsspritzen für eine Reihe von Banken der Eurozone, der Ankündigung einer einstweiligen Lockerung der Eigenkapitalanforderungen und dem Aufschub der EU-weiten Stresstests bis 2021, hat die EZB vorübergehende Erleichterungen in Bezug auf die Sicherheitenanforderungen eingeführt (d. h. reduzierte Bewertungsabschläge, Erweiterung des Umfangs an zulässigen Anleihen und Darlehen), um so die Banken bei der Bereitstellung von Liquidität und Krediten zu unterstützen. Durch das Pandemie-Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme - PEPP) hat die EZB zudem ihr Programm zur quantitativen Lockerung (QE) ausgeweitet. Das PEPP umfasst nun insgesamt EUR 1,35 Billionen und soll mindestens bis Ende Juni 2021 laufen.

In den vergangenen vier Monaten hat die EZB eine höhere Flexibilität und eine gewisse Risikotoleranz an den Tag gelegt. So hat sie insbesondere griechische Staatsanleihen in ihre Anleihen-Kaufliste aufgenommen und die selbst auferlegte Obergrenze aufgehoben, nach der sie nicht mehr als 33 % der Anleihen eines Landes halten darf. Durch die Aufnahme von Geldmarktpapieren aus dem Nichtfinanzsektor sowie Staatsanleihen in das QE-Programm hat die EZB außerdem die Bandbreite der zulässigen Vermögenswerte und Laufzeiten erweitert.

Obwohl die EZB und die Federal Reserve beide schnell auf die Coronakrise reagierten, gingen sie zeitweise andere Wege. Dies lässt sich im Wesentlichen auf die strukturellen Unterschiede zwischen den beiden Märkten zurückführen: Während in Europa die Unternehmensfinanzierung traditionell von Banken übernommen wird, erfolgt die Mittelbeschaffung in den USA in der Regel über die Kapitalmärkte. Aus diesem Grund hat die EZB den Banken reichlich Liquidität zur Verfügung gestellt, während die Federal Reserve eine Reihe von Anleihekaufprogrammen für Primär- und Sekundärmärkte aufsetzte und erstmals auch Käufe über Indizes wie z. B. börsengehandelte Fonds tätigte.

Die divergierenden Reaktionen der Federal Reserve und der EZB sind auch eine Folge davon, dass sich die beiden Märkte zu Beginn der Krise in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus befanden. Ein Beispiel: Die Federal Reserve senkte die Zinsen auf 0-0,25%, im Gegensatz zur EZB, deren Zinssätze bereits bei null lagen. Eine weitere Differenz zwischen den beiden Zentralbanken besteht darin, dass die EZB öffentlich bekannt gegeben hat, welches Volumen sie im Rahmen des PEPP-Programms aufkaufen will. Die Federal Reserve hingegen hat sich für ein offenes Programm zum Ankauf von Vermögenswerten entschieden.

Corona: Katalysator für die Emission von Social Bonds

Im Zuge der Stabilisierung der Märkte wächst der Druck auf die Zentralbanken weltweit, dass QE-Programme für Unternehmensanleihen auf Sektoren beschränkt bleiben sollen, die konkrete Verbesserungen im Bereich ESG (Umwelt-, Sozial- und Governance-Prinzipien) vorweisen können. Das dürfte sich in einigen Fällen allerdings als schwierig erweisen, zumal bei einer Reihe von Anleihekaufprogrammen die Diskriminierung einzelner Branchen durch die Zentralbanken unzulässig ist.

Es gibt jedoch Gründe für Optimismus, wenn es um die künftige Entwicklung im Bereich ESG geht. Zum einen scheinen Zentralbanken weltweit einen koordinierten, strukturierten Ansatz im Kampf gegen den Klimawandel zu verfolgen. Hierbei spielen Gruppierungen wie das Network for Greening the Financial System (NGFS) eine wichtige Rolle, das seit seiner Gründung kontinuierlich neue Mitglieder gewonnen hat. Gleichzeitig ist es in der Krise zu einem Nachfrageboom bei sogenannten sozialen Anleihen („Social Bonds“) gekommen. Diese haben mittlerweile einen Anteil von 28 % am Gesamtmarkt für nachhaltige Anleihen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2020 sind die Emissionen auf USD 33,1 Mrd. angestiegen – ein Trend, der überwiegend von supranationalen Organisationen und Behörden vorangetrieben wird. Im Gegensatz dazu machten soziale Anleihen im vergangenen Jahr nur 5 % bzw. USD 14 Mrd. des Marktes für nachhaltige Anleihen aus. [1]

Die Erlöse aus vielen dieser Social-Bond-Emissionen fließen in Initiativen, mit denen die Auswirkungen der Corona-Pandemie abgefedert werden sollen. Zu den wichtigsten Emissionen zählen: der dreijährige Social Bond der International Financing Corporation mit einem Volumen von USD 1 Mrd. zur Finanzierung von Corona-Hilfsmaßnahmen; der dreijährige Fight Covid-19 Social Bond in Höhe von USD 3 Mrd. der Afrikanischen Entwicklungsbank zur Unterstützung und Finanzierung von afrikanischen Ländern und Unternehmen; die beiden Sustainability Awareness Bonds der EIB im Umfang von jeweils EUR 1 Mrd. mit einer Laufzeit von acht bzw. zehn Jahren; der dreijährige Inaugural Response Bond mit einem Volumen von EUR 1 Mrd. der Nordic Investment Bank, mit dem die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gemildert werden sollen. Fast alle diese Transaktionen folgen den Social Bond Principles der ICMA (International Capital Markets Association), einer Reihe von Richtlinien zur Förderung der Transparenz auf dem Sozialanleihenmarkt.

Volumen und Beliebtheit der Social Bonds sind geradezu explodiert: Stand heute liegt das Emissionsvolumen 2020 bereits bei USD 57 Mrd., gegenüber USD 9 Mrd. im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Grüne Anleihen machen im aktuellen Jahr bisher USD 93 Mrd. aus. Das Interesse an diesen Produkten ist damit nach wie vor sehr groß, wenngleich das Emissionsvolumen etwas unter dem Wert im gleichen Zeitraum 2019 liegt (USD 111 Mrd.). Die Emissionstätigkeit bei nachhaltigen Anleihen wird sich den Prognosen zufolge analog zu Krediten mit Nachhaltigkeitskomponenten entwickeln, die seit ihrer Einführung vor nur wenigen Jahren ein exponentielles Wachstum verzeichnet haben. Die Sustainability-Linked Bond Principles der ICMA dürften dazu beitragen, den Weg für die Entwicklung dieses neuen Marktes zu ebnen. Es ist auch damit zu rechnen, dass eine globale Regelung zur Förderung von ESG eine regere Emissionstätigkeit unterstützen wird. So treibt die EU beispielsweise ihren Aktionsplan für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance Action Plan) voran. Das Programm soll dazu beitragen, private und öffentliche Mittel in ESG-Investitionen zu lenken. Andere Kernmärkte ziehen jetzt nach.

Wertpapierleihe und Repo-Geschäfte: Attraktive Gelegenheit für öffentliche Institutionen

Die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken haben bei der Stabilisierung des Marktes für Wertpapierpensionsgeschäfte (Repos) eine entscheidende Rolle gespielt – vor allem in der Anfangsphase der coronabedingten Marktstörungen, als Investoren Schwierigkeiten bei der Steuerung ihres Liquiditätsrisikos hatten. Das rasche Eingreifen der Zentralbanken hat im Endeffekt die Kreditvergabe der Finanzinstitute abgesichert und somit ermöglicht, dass Barmittel in die Repomärkte flossen. Dieses konsequente Handeln hat nach allgemeiner Auffassung eine massive Mittelknappheit an den Kreditmärkten verhindert.

Die schier unstillbare Nachfrage nach erstklassigen liquiden Vermögenswerten (HQLA) und der Einsatz dieser Vermögenswerte zur Generierung zusätzlicher Erträge in risikokontrollierten Programmen waren am Markt schon immer präsent. Die Volatilität in den letzten Monaten hat die Einschätzung bestärkt, dass Zentralbanken die Möglichkeit haben, höhere Renditen zu erzielen und gleichzeitig durch die Auflegung von Wertpapierleiheprogrammen den Märkten Liquidität zuzuführen.

Zudem ergeben sich auch Ertragschancen infolge von bevorstehenden Regelungen zu OTC-Derivaten in den USA, der EU und im Asien-Pazifik-Raum. Nach der Einführung des verpflichtenden Clearings von einfach strukturierten OTC-Derivaten durch zentrale Gegenparteien (CCPs) treiben die globalen Regulierungsbehörden Reformen voran, die von den Gegenparteien bilateraler OTC-Geschäfte bei ihren Transaktionen eine Initial sowie eine Variation Margin verlangen. Auch wenn die Regelungen aufgrund der Coronakrise um ein Jahr verschoben wurden, müssen Handelskontrahenten künftig dennoch akzeptable Sicherheiten für die Bereitstellung der Margin beschaffen. Nicht alle Finanzinstitute werden geeignete Sicherheiten im Bestand haben, sodass sie diese aus anderen Quellen beziehen müssen. Offizielle Institutionen – von denen einige über massive Barmittelreserven oder erstklassige Finanzinstrumente verfügen – könnten versucht sein, einige ihrer Sicherheiten an OTC-Marktteilnehmer weiterzuverleihen, die sie dann für das Margining einsetzen.

Als ein weltweit führender Anbieter ist BNP Paribas Securities Services bestens aufgestellt, um die Kundenanforderungen in Bezug auf die Wertpapierleihe zu erfüllen: Das Angebot umfasst die globale und lokale Abdeckung in mehr als 30 Ländern bei einer breiten Palette an Anlageklassen und unter Einsatz verschiedener Sicherheitenarten. BNP Paribas Securities Services bietet verschiedene Wege zum Markt, darunter sowohl die Leihe als Auftraggeber und als Agent, während die Kunden gleichzeitig Zugang zu den branchenführenden Funktionen der Geschäftsbereiche Global Markets und CIB haben. Die Bandbreite der Dienstleistungen ermöglicht den Marktteilnehmern eine gute Positionierung, um ihre Ertragschancen zu maximieren und dabei gleichzeitig ihr Marktrisiko zu minimieren. In Verbindung mit den robusten Maßnahmen hinsichtlich der Sicherheit der Vermögenswerte und der Verpflichtung zum Risikomanagement kann BNP Paribas Securities Services öffentlichen Einrichtungen eine optimale Lösung für die Wertpapierleihe bieten.

Neue Prioritäten nach der Coronakrise

Die Coronakrise sprengt jeden Rahmen. Offizielle Institutionen – einschließlich der Zentralbanken – werden bei der Gestaltung der weltweiten Erholung eine entscheidende Rolle spielen. Von kurzfristigen geldpolitischen Interventionen zur Stützung der Liquidität bis zu längerfristigen Maßnahmen, die sich auf die Emission von ESG-Anleihen konzentrieren, offizielle Einrichtungen helfen bei der Rettung der Weltwirtschaft mit.

[1] BNP Paribas CIB


Mit freundlichem Dank an die folgenden Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen von BNP Paribas:
Christian Oger, Head of Technical Sales bei BNP Paribas Securities Services
Florence Lubineau, Head of Central Banks & MDBs/Supranationals, Europe bei BNP Paribas CIB - Official Institutions Coverage
Laurent Libiszewski, Global Head of Debt Products & Solutions bei BNP Paribas Securities Services
Michael Saunders, Head of Agency Lending, Americas bei BNP Paribas Securities Services
Natalia Floate, Head of Market & Financing Services, Asia Pacific bei BNP Paribas Securities Services
Vera Delvoye, Official Institutions and Pension Funds, Go to Market Strategist bei BNP Paribas Securities Services

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