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Wie können Regulierungsmaßnahmen verantwortungsvolle Investitionen und ESG-Entwicklungen in Europa unterstützen?
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Wie können Regulierungsmaßnahmen verantwortungsvolle Investitionen und ESG-Entwicklungen in Europa unterstützen?

15/01/2019

Laurence Caron-Habib

Laurence Caron-Habib

Head of Strategy, Public Affairs and CSR

BNP Paribas Securities Services

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Florence Fontan

Florence Fontan

Head of Asset Owners

BNP Paribas Securities Services

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Laurence Caron-Habib, Head of Strategy, Public Affairs and CSR bei BNP Paribas Securities Services, und Florence Fontan, Head of Asset Owners, diskutieren über den Aktionsplan der EU-Kommission für ein nachhaltiges Finanzwesen, der im März 2018 vorgestellt wurde. Wie kann der Aktionsplan die ESG-Strategie (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) von Asset Ownern und Asset Managern beeinflussen? Vor welchen Herausforderungen steht Europa bei der Förderung eines nachhaltigen Finanzwesens? Was ist der nächste Schritt?

Was steckt hinter dem jüngsten Vorstoß der EU-Kommission in Sachen nachhaltiges Finanzwesen?

Laurence Caron-Habib: Die Europäische Kommission (EK) hat sich bereits seit geraumer Zeit mit dem Thema nachhaltiges Finanzwesen beschäftigt und misst ihm nun große Bedeutung bei. Nach der UN-Klimakonferenz im Jahr 2015, auch bekannt als COP 21, und dem Pariser Klimaschutzabkommen begann die EK ihre Arbeit an einem Bericht und einer Strategie zu diesem Thema. Im März 2018 veröffentlichte die Kommission einen Aktionsplan für nachhaltige Anlagen mit drei Hauptprioritäten:

  • Neuorientierung der Anlagen in Richtung nachhaltiges Finanzwesen
  • Förderung der Offenlegung und Transparenz von Nachhaltigkeitsfaktoren, vor allem mit Blick auf institutionelle Anleger
  • Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien in Anlageentscheidungen

Zusätzlich legte die EK im Mai ein Gesetzespaket vor, um den Übergang zu mehr Nachhaltigkeit zu beschleunigen.

Mit welchen konkreten Maßnahmen will die EK praktische Fortschritte erzielen?

Florence Fontan: Nach der COP 21 waren das politische Bewusstsein und der politische Wille vorhanden, um die Klimaprobleme anzupacken. Es zeichnete sich ab, dass erhebliche Investitionen vonnöten sein würden, um die vereinbarten politischen Ziele in Zusammenhang mit den Klimarisiken zu erreichen. Angesichts des Zustands der Staatsfinanzen weltweit erkannte die EK, zusammen mit internationalen Organisationen, darunter die Weltbank und die Vereinten Nationen, dass private Investitionen nötig sein würden.

LCH: Ein weiteres Hauptanliegen der EK ist es, Anlegern die Möglichkeit zu verschaffen, ihre Kapitalallokation unter Berücksichtigung der nachhaltigen Finanzziele zu bewerten. Ohne diese Möglichkeit befürchtet die EK eine „Grünfärberei“ (Greenwashing) von Produkten, d. h. die Klassifizierung ungeeigneter Produkte als umweltfreundlich. Daher betrifft eine weitere wichtige Initiative im kürzlich vorgestellten EU-Gesetzgebungspaket die Entwicklung einer neuen Taxonomie oder eines Klassifikationssystems, obwohl es sich als äußerst schwierig erweisen dürfte, einen EU-weiten Konsens unter den Mitgliedsstaaten bei so einem heiklen Thema zu erzielen.

Beziehen nicht bereits viele langfristige Anleger ESG-Faktoren in ihren Anlageprozess mit ein?

FF: Ja. Viele Unternehmen und Anleger sind den Regulierungsbehörden bereits einen Schritt voraus. Aber bis jetzt tat sich die Branche schwer, sich auf gemeinsame Kriterien und Regeln zu einigen, was es schwierig macht, die tatsächliche Investitionshöhe zu erfassen.

Wie sind Unternehmen und Anleger bislang an die getrennten Elemente ESG und nachhaltige Anlagen herangegangen?

FF: Schlüsseln wir die ESG-Elemente „Umwelt, Soziales und Unternehmensführung“ auf.

Was das Element „E“ (Umwelt) betrifft, haben Anleger in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte im Hinblick auf den ökologischen Aspekt erzielt. Insbesondere nach der COP 21 ist in der Tat ein Handlungsdruck und eine Dynamik bezüglich des Faktors Umwelt festzustellen. Eine bedeutende Zahl von Asset Ownern (insbesondere große Pensionskassen und Staatsfonds) haben öffentlich neue Anlagerichtlinien angekündigt, die Umweltkriterien berücksichtigen, obwohl die Daten nicht immer verfügbar oder vollständig sind. Somit haben verschiedene Anleger ihre eigene Interpretation entwickelt und ihre eigenen Kalkulationen durchgeführt.

Angesichts der fehlenden Standardisierung und der Schwierigkeiten bei der Beschaffung relevanter Daten befinden sich institutionelle Anleger in unterschiedlichen Phasen, was die Einbindung von Umweltfaktoren in ihre Anlageentscheidungen betrifft. Im Allgemeinen besteht der erste Schritt eines Anlegers darin, Ausschlussgrundsätze festzulegen – es wird beispielsweise die Entscheidung getroffen, nicht in Palmöl zu investieren. Sie informieren ihren Asset Manager, der den Auftrag auf Grundlage der bestverfügbaren Informationen ausführt.

Der zweite Schritt ist oft, die CO2-Bilanz eines Portfolios zu ermitteln. Um die Klimafaktoren angemessen zu berücksichtigen, müssen Anleger einen zukunftsorientierten Ansatz verfolgen. Da es schwierig sein kann, an Daten zur Reduzierung der CO2-Bilanz von Unternehmen heranzukommen, müssen Anleger mit Unternehmen in Dialog treten, um deren Strategie besser zu verstehen. Darüber hinaus ist die CO2-Bilanz nur ein Element des Umweltaspektes. Ferner gilt es, die Auswirkungen des Portfolios auf die Sicherheit der Wasserversorgung und den Abfallaspekt zu berücksichtigen, auch sollten Anleger beachten, dass in manchen Branchen diese Risiken stärker ausgeprägt sind als in anderen.

Und wie steht es mit den Komponenten „S“ und „G“, d. h. Soziales und Governance (Unternehmensführung)?

LCH: Sozial verantwortliche Anlagen sind wahrscheinlich am schwierigsten zu realisieren. Um die Auswirkungen der Anlagen effektiv zu beurteilen, muss die gesamte Lieferkette betrachtet werden. Aber es ist nicht immer ganz einfach, die erforderlichen Informationen einzuholen. Als Erstes müssen Anleger sicherstellen, dass sämtliche Zulieferer die internationalen Menschenrechte und das Arbeitsrecht einhalten. Dies ist jedoch ein äußerst komplexes Thema und es gibt keine eindeutige Lösung für die Messung der Auswirkungen. Das ist ein Grund, warum der soziale Aspekt bislang noch in geringerem Maß in die Grundsätze für Anlageentscheidungen eingeflossen ist.

Was Corporate Governance betrifft, gibt es bereits mehrere Vorschriften bezüglich der Rechte der Aktionäre. Viele Anleger haben diese Vorschriften genutzt, um interne Richtlinien zu erstellen und auf den Aktionärsversammlungen abzustimmen, vor allem im Hinblick auf die Diversität und die Unabhängigkeit der Unternehmensführung. Es gibt auch eine beträchtliche Menge an öffentlich zugänglichen Informationen.

Was macht Umweltfaktoren so schwierig?

FF: Das Hauptproblem besteht darin, dass die erforderlichen Daten nicht immer leicht zugänglich, verfügbar oder vergleichbar sind. Aufgrund des steigenden Drucks von Anlegern, NROs und Bürgern veröffentlichen Unternehmen einschlägige Informationen in größerem Umfang. Das Fehlen anerkannter Standards macht es jedoch schwierig, diese Daten zu nutzen und Vergleiche zwischen Unternehmen anzustellen. Verschärft wird dieses Problem durch die Vielfalt der Methoden, die zur Analyse und zur Messung der Auswirkungen auf die Umwelt herangezogen werden können. In dieser Hinsicht wäre eine verstärkte Standardisierung der Berechnungsmodelle von großem Nutzen. Daraus ergibt sich, dass heute nur Nischenunternehmen oder große, institutionelle Anleger in spezielle Research-Teams investiert haben, um dieses Problem anzupacken.

LCH: Heutzutage kann rund ein Drittel der institutionellen Anleger ausführliche Berichte zum Thema Klimawandelkriterien erstellen, ein weiteres Drittel zieht diesen Schritt in Betracht und das verbleibende Drittel ist noch im Rückstand. Die EK vertritt die Position, dass neue Maßnahmen am besten dazu geeignet sind, diesen Übergang herbeizuführen. Aus diesen Maßnahmen sollen Standards für den Aufbau eines effektiven branchenspezifischen Rahmens entstehen.

Was sind die kurzfristigen Herausforderungen für den Finanzsektor?

LCH: Die Schwierigkeit wird darin liegen, sich auf eine Taxonomie zu einigen. Selbst wenn ein Konsens erzielt wird und die Branche dieses Ziel und die Rahmenbedingungen nachdrücklich unterstützt, lässt sich von unserer Warte aus bereits absehen, dass Mitgliedsstaaten oder Marktteilnehmer die Vorgaben unterschiedlich interpretieren werden.

Arbeitet BNP Paribas an diesem Standardisierungsprozess mit?

LCH: Ja. BNP Paribas ist Teil der Arbeitsgruppe, die die EK jüngst aus der Taufe gehoben hat, um die Bestimmungen rund um die Taxonomie zu erörtern sowie, um es präziser zu formulieren, die Umsetzungsmaßnahmen (auch Level-2-Maßnahmen genannt), die zu ihrer Realisierung unabdingbar sind. Sobald die Hauptgrundsätze festgelegt und durch das Europäische Parlament und den Europäischen Rat angenommen wurden, müssen sie umgesetzt und auf konkrete und spezifische Art gemessen werden.

Ist die Umsetzung einfach, sobald eine Einigung bei der Taxonomie erzielt wurde?

FF: Nein. Erstens muss die Standardisierung nicht nur das Datenproblem anpacken, sondern auch die Berechnungsmethoden.

Zweitens wird es einige Zeit in Anspruch nehmen, Zugang zu allen wichtigen Informationen zu erhalten. Es sollten Anreize für Unternehmen geschaffen werden, Daten zu veröffentlichen und die Transparenz bezüglich dieser Fragestellungen zu verbessern.

Schließlich sollten unserer Meinung nach die regulatorischen Kosten dieser neuen, umweltfreundlichen Produkte niedrig ausfallen, um institutionellen Anlegern und vor allem Versicherungsgesellschaften Anlageanreize zu bieten. Es besteht in der Tat die Gefahr, dass die Regulierung bestehende „braune“ Anlagen durch zusätzliche Kosten auf risikogewichteter Basis benachteiligt, statt die Akzeptanz eines Konzepts zu fördern, das umweltfreundliche Anlagestrategien bevorzugt.

Welche Vorteile bieten nachhaltige Anlagen für die Kapitalmarktunion?

LCH: Bei der Kapitalmarktunion geht es darum, wie Anlagen neu auf langfristige Ziele ausgerichtet werden können. Nachhaltigkeit und ein „grünes“ Finanzwesen sind von eminenter Bedeutung, um langfristige Probleme anzupacken. Die Erstellung eines EU-Klassifikationssystems dürfte die Schaffung weiterer Produkte rund um das Thema Standardisierung fördern. Das Ziel ist es, diese Produkte für alle Verbraucher attraktiv zu gestalten, insbesondere aber für die Kleinanleger, die ein wesentlicher Teil der Zielgruppe der Kapitalmarktunion sind.

Wie können sich institutionelle Anleger darauf vorbereiten?

FF: Die meisten unserer Kunden haben nicht abgewartet, bis die EK ihre Vorschläge präsentiert, sondern bereits Anlagerichtlinien umgesetzt, die auch ESG-Kriterien beinhalten. Institutionelle Anleger haben innerhalb ihrer eigenen Unternehmen ein wachsendes Bewusstsein an den Tag gelegt. Sie erweitern ihre Richtlinien, um zusätzliche globale Nachhaltigkeitsfaktoren einzubeziehen, wobei sie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen als Bezugspunkt nutzen. Die Herausforderung für Asset Owner besteht darin, diese Richtlinien umzusetzen und den Fortschritt bei der Erreichung ihrer Ziele zu messen. Regulatorische Anforderungen werden unter Umständen in den nächsten Jahren formuliert, insbesondere in Bezug auf erweiterte Offenlegungspflichten. Was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, sollten institutionelle Anleger daher mit der Datensammlung beginnen und strategische Richtlinien definieren.

Was das Asset Management angeht, rechnen wir aufgrund der wachsenden Nachfrage und der Anforderungen seitens der Asset Owner mit einem Ausbau der Palette nachhaltiger Produkte. In diesem Zusammenhang sollten sich Asset Manager wiederum darauf einstellen, ihre Modelle transparenter zu gestalten und die Daten zur Nachhaltigkeit der Portfolios, die sie verwalten, verstärkt offenzulegen.

Abgesehen von den ethischen Aspekten des nachhaltigen Finanzwesens besteht bereits eine unbestreitbare Verbindung zwischen den ESG-Faktoren, der Wertentwicklung eines Vermögenswerts und der finanziellen Rendite. In manchen Märkten, Anlageklassen und wirtschaftlichen Sektoren tritt diese Verbindung deutlicher hervor, aber eine verstärkte Transparenz wird diesen Aspekt weiter forcieren. So wie alle Risikofaktoren muss auch das Thema Nachhaltigkeit in die langfristigen Anlageentscheidungen einbezogen werden.

Wie kann BNP Paribas Securities Services institutionellen Anlegern Hilfestellung leisten?

LCH: Wir haben ausgefeilte ESG-Berichtswerkzeuge entwickelt, die sowohl Asset Owner als auch Asset Manager unterstützen. Auf Grundlage ihrer ESG-Kriterien und den von ihnen definierten Richtlinien können wir ihnen bei der Erstellung ihres Risikoprofils behilflich sein. Wir untersuchen das Portfolio unter verschiedensten Gesichtspunkten, z. B. Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz, und unterstützen sie dabei, die ESG-Kriterien einzubeziehen. Wir können daneben auch Änderungen bei der Asset Allocation simulieren, um festzustellen, welche Auswirkungen auf das Portfolio sich dadurch ergeben würden.

Diese Werkzeuge können die Entscheidungen der Asset Owner und Asset Manager im Hinblick auf die Allokation von Vermögenswerten und auch ihre Kommunikation mit ihren verschiedenen Stakeholdern (Unternehmensführung, Einzelanleger usw.) erleichtern, da sie dadurch in der Lage sind, ihre Maßnahmen zu erläutern.

Was sind die Kernpunkte für Anleger?

FF: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Trend, der nicht mehr wegzudenken ist und allmählich zur Norm wird. Institutionelle Anleger und Asset Manager können diesen Trend nicht ausblenden und müssen sich ihm stellen. Wir bei BNP Paribas Securities Services beschäftigen uns intensiv mit unseren eigenen Nachhaltigkeitszielen und unterstützen unsere Kunden bei ihrem Streben nach Nachhaltigkeit. Manche Kunden haben schon größere Fortschritte als andere erzielt, aber wir lernen alle dazu und streben gemeinsam das Ziel der Nachhaltigkeit an. Wir entwickeln zusammen mit unseren Kunden die erforderlichen Berichte und Analysen und geben unsere Erfahrungen, die wir bei BNP Paribas unternehmensweit gesammelt haben, an die Asset Manager weiter, die auf Anforderung ihrer Kunden Produkte und Dienstleistungen bereitstellen. BNP Paribas wurde übrigens vor kurzem mit dem Titel „World’s Best Bank for Sustainable Finance“ ausgezeichnet.

LCH: Wir arbeiten eng mit Regulierungsbehörden zusammen, um Standards und Taxonomien mit dem Ziel zu entwickeln, den Zugang zu relevanten und vergleichbaren Daten zu verbessern. Parallel dazu sollten wir gemeinsam sicherstellen, dass gesetzliche Maßnahmen das Ziel verfolgen, Anreize für Anlagen in „grüne Produkte“ zu schaffen und Investitionen in diese Produktkategorie zu erleichtern, ohne bestehende Anlagen unter regulatorischen Gesichtspunkten zu benachteiligen. Den Klimawandel anpacken bedeutet, Veränderungen zu bewältigen, und wir sollten im Hinblick auf unsere Anlagen genauso vorgehen.

Broschüre herunterladen:

img_bp2_cmu-reg_cover_2018-10-22.png

Weitere Informationen

  • Three (not so) little letters that have changed the investment landscape forever: E, S and G: here
  • Great expectations for ESG: survey

Nützliche Quellen

  • United Nations 
  • European Union
    • Sustainable finance initiatives
    • High Level Expert Group on Sustainable Finance: final report
    • Capital Markets Union, November 2014, plan
    • Capital Markets Union, mid-term review, 2017
    • Action plan on financing sustainable growth, March 2018
    • European Commission, Press release “Sustainable finance: Making the financial sector a powerful actor in fighting climate change”
    • Markets In Financial Instruments Directive (MiFID II) and Insurance Distribution Directive (IDD) amendments: consultations closed on 21 June 2018.

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