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Liquide Zukunft
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Liquide Zukunft

15/06/2015

Hedgefonds werben mit liquiden alternativen Investments zunehmend Privatanleger an. Welche Vor- und Nachteile hat diese neue Anlageklasse?

vignette-blogueur-townsend.jpgDie Hedgefondsbranche dringt auf bislang unerschlossenes Terrain vor und wirbt neue, liquiditätsbewusste Anleger an. Das ist für viele, die bisher von der Anlage in Hedgefonds ausgeschlossen waren, positiv, doch höhere Liquidität hat ihren Preis. Die Anleger sollten sich der Vor- und Nachteile dieser neuen Anlageklasse bewusst sein.

 

Liquide alternative Fonds wirken wie der freundlichere, zugänglichere Ableger der weitverzweigten Hedgefondsfamilie. Im Unterschied zu Hedgefonds stehen sie allen offen, nicht nur anspruchsvollen Anlegern, die Millionen investieren wollen. Sie präsentieren die exklusive Welt der Hedgefonds einem größeren Publikum und geben Anlegern mit bescheideneren Mitteln die Möglichkeit, ihr Portfolio zu diversifizieren und gegen eine schwache Aktienmarktentwicklung abzusichern.

 

Die Beliebtheit der liquiden alternativen Fonds steigt, da die Hedgefondsbranche an Bekanntheit gewonnen hat. Zu den beliebtesten Instrumenten gehören diejenigen, die die Handelsstrukturen von Hedgefonds im Rahmen von Privatkundenstrukturen wie OGAW in Europa oder „40 Act“-Fonds in den USA nutzen.

 

Es ist den Managern gelungen, populäre Hedgefondsstrategien in den Strukturen von Privatkundenfonds nachzubilden.

 

Die am häufigsten replizierte Strategie ist auch die beliebteste: Equity-Long-Short. Liquide alternative Fonds nehmen zwar im Unterschied zu reinen Hedgefonds keinen Prime Broker in Anspruch, um Aktien zu verkaufen, doch können sie mit Hilfe von Differenzkontrakten und anderen Derivaten ähnliche Ergebnisse erzielen.

 

Diese Kontrakte sind auch zur Nachbildung anderer Hedgefondsstrategien geeignet, zum Beispiel „Global Macro“ und „CTA“ (Commodity Trading Advisor). Aber nicht alle Strategien lassen sich so effektiv replizieren. (Die Nachbildung der Event-driven-Strategie etwa erweist sich im OGAW-Format als deutlich schwieriger, weil dieses Instrument mit Diviersifikationsanforderungen ausgestattet ist, die nicht in Einklang mit dem geforderten Anlageverhalten stehen.)

 

Die größten Nutznießer liquider alternativer Fonds sind Privatanleger. Mit ihren vergleichsweise kleinen Portfolios erfüllen sie die Kriterien des Hedgefondssektors nicht, da sie den hohen Mindestanlagevorschriften nicht gerecht werden können. Des Weiteren fehlen ihnen die Ressourcen zur Durchführung der notwendigen Due-Diligence-Prüfung einer breit angelegten Fondspalette.

 

Das Wachstum der liquiden alternativen Fonds wurde aber auch nicht nur von Privatanlegern vorangetrieben. Für die Fondsmanager ist es nicht einfach, Investitionen aus dem Privatkundensektor in ausreichender Höhe zu erhalten, um die kritische Masse zu erreichen, die ihre Verwaltungskosten rechtfertigt – in der Regel zwischen 300 und 500 Mio. US-Dollar.

 

Aus diesem Grund sind liquide alternative Fonds auf die Beteiligung institutioneller Anleger angewiesen. Einige Institutionen, so etwa Versicherungsgesellschaften, können nur beschränkt in Hedgefonds investieren. Daher bieten liquide alternative Fonds eine Möglichkeit zur Aufstockung ihres Engagements in diesem Bereich. Viele institutionelle Anleger mit Zugang zu Hedgefonds werden von den geltenden Bedingungen, so beispielsweise Sperrfristen, abgeschreckt. Für sie sind liquide alternative Investments nicht nur einfach Hedgefonds „light", sondern ein attraktives Anlageangebot mit eigener Berechtigung.

 

Sogar institutionelle Anleger mit langjähriger Hedgefonds-Erfahrung haben sich kritisch zu den in der Regel weniger vorteilhaften Rücknahmebedingungen geäußert. Dies hält sie vielleicht nicht gänzlich von der Anlage in Hedgefonds ab, doch wird ihre Bereitschaft zur Vornahme von Allokationen möglicherweise gebremst. Mit liquiden alternativen Fonds könnten diese Anleger höhere Allokationen in den Sektor tätigen und gleichzeitig dafür sorgen, dass ein Teil davon bei Bedarf schnell eingelöst werden kann.

 

Während sich kaum ein Anleger über die Gebühren für Manager, die kontinuierlich hohe Erträge erzielen, beschwert, steigt die Zahl der Unzufriedenen, wenn die Performance mäßig ist oder die Erträge mit Aktien korrelieren.  Durch das Angebot eines ähnlichen Engagements in Hedgefonds bei niedrigeren Gebühren (und mit deutlich mehr Transparenz als viele Hedgefondsmanager sie bieten) wurden liquide alternative Fonds begeistert aufgenommen, auch von denen, die Zugang zum Original haben.

 

Natürlich erzielen liquide alternative Fonds in der Regel niedrigere Erträge als Hedgefonds, was sich teilweise, wenn auch nicht ganz, durch ihre niedrigeren Gebühren, ausgleichen dürfte. Hedgefonds können in illiquide Instrumente oder längerfristige Situationen investieren. Privatkundenfonds sind auf liquidere Anlagen beschränkt. Doch mit Hilfe von Derivaten können sie unkorrelierte absolute Erträge erzielen.

 

Da die Investoren ihre Anlagen innerhalb von Wochen einlösen können, sind viele bereit den Preis zu zahlen. Dadurch steigt der Druck auf Hedgefonds, da sich Wettbewerber mit ähnlichen Strategien in einem liquiden alternativen Fonds Anlagen sichern könnten, die ansonsten im Hedgefonds verblieben wären.

 

Gleichzeitig geraten die Manager – ob sie nun eine liquide alternative Version ihres Hedgefonds anbieten oder nicht – durch die steigenden Kosten der aufsichtsrechtlichen Compliance, die einen immer größeren Anteil ihrer eingenommenen Gebühren in Anspruch nimmt, unter Druck.

 

Privatkundenfonds wie OGAW können die von ihren Hedgefondsverwandten erhobenen Gebühren nicht einnehmen, obwohl sie höhere Compliance-Hürden überwinden müssen. Die Kosten für ein Vertriebsteam, das Privatanlegern die Fonds anbietet, sind ein weiterer bedeutender Zusatzposten, der in Hedgefonds nicht entsteht.

 

Dies stellt eine Eintrittsbarriere auf dem Markt für die Anbieter liquider alternativer Fonds dar. Teilweise aus diesem Grund und teilweise aufgrund der offensichtlichen geschäftlichen Synergien sind die erfolgreichsten Anbieter von liquiden alternativen Investments tendenziell auch die größten und erfolgreichsten Hedgefondsbetreiber. Sie können eine neue, modifizierte Version ihrer bestehenden Fonds entwickeln, um ihren Anlegerstamm bedeutend auszudehnen. Doch übt dies auch zunehmenden Druck auf die Manager aus, die sich bemühen, eine Hedgefonds-Performance in liquidem alternativem Format zu bieten, ohne die Erträge zu schmälern. Einige liquide alternative Fonds wurden aufgrund von Problemen mit der Nachbildung der Hedgefonds-Performance im Rahmen von OGAW von ihren Managern geschlossen.

 

Dies ist nicht die einzige zusätzliche Herausforderung in Zusammenhang mit dem Zugriff auf die Privatkundenmärkte. Privatanleger sind emotionaler als erfahrene Hedgefondsanleger. Dadurch wird es schwieriger, die Rücknahmen zu prognostizieren und einzuschätzen, inwiefern diese durch Neuinvestitionen ausgeglichen werden. Diese erhöhte Unsicherheit in Bezug auf den Nettoinventarwert erschwert Anlageentscheidungen und setzt den Manager einem höheren Risiko durch Stimmungsänderungen am Markt aus.

 

Doch da immer mehr Hedgefondsmanager liquide alternative Strategien verfolgen und lernen, sich den neuen Anforderungen anzupassen, dürfte die neue Anlageklasse reifen und sich ebenso wie zuvor die Hedgefonds weiterentwickeln. Davon werden alle Typen von Anlegern profitieren.

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