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Der erste Schritt zur Wertpapierleihe
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Der erste Schritt zur Wertpapierleihe

08/06/2017

Author : Natalie Floate, Head of Securities Lending, Asia Pacific at BNP Paribas Securities Services

Der Wertpapierleihe wurden im Lauf der Zeit viele verschiedene Rollen zuteil - in den 1980er-Jahren noch ein leises, wenngleich erfolgreiches Finanzprodukt, stieg sie in den 90ern zu enormer Popularität auf, die dann im Zuge der Marktverwerfungen von 2008 jedoch nachließ. Heute ist die Wertpapierleihe wieder im Erfolgsmodus, dabei zwar immer noch relativ „leise“ verglichen mit anderen Produkten im Markt, aber mehr im Gespräch als je zuvor

img_bp2s_natalie-floate_2017-06-08.jpgEin Großteil dieses gesteigerten Interesses ist auf eine stärker sichtbare Regulierungsaufsicht und Branchenstandards zur Transparenzverbesserung zurückzuführen. Zudem verfügen die Darlehensgeber inzwischen über einen Risikomanagementrahmen, der besser auf ihren Wertpapierleiheprozess abgestimmt ist. Diese verstärkte Aufsicht wiederum hat den Weg für stärker kundenfokussierte Innovationen und die Entwicklung von Programmen gebahnt, die auf die individuellen Risiko-Rendite-Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind.  

Die Rolle der Wertpapierleihe hat sich jedoch im Laufe der Zeit nicht grundlegend verändert. Welches sind die wichtigsten Verwendungszwecke des Securities Lending im Markt und wie kann das Leihgeschäft mit Wertpapieren Asset Ownern helfen, ihre Anlageziele besser zu erreichen?

 

Rolle bei der Bereitstellung von Liquidität auf den Märkten

 

Die Möglichkeit des Verleihens und des Borgens von Wertpapieren wird für Märkte allgemein als beste Praxis angesehen, kann sie doch maßgeblich zu einem effizienten und geordneten Marktumfeld beitragen. Bei Aufsichtsbehörden und Clearingstellen hat sich der Ausfallschutz als gängige Praxis etabliert, um den Markt am Laufen zu halten und die Gefahr von Dominoeffekten zu mindern. Dies ist im Rahmen der aktuellen Bemühungen um kürzere Abwicklungszyklen unerlässlich geworden. 

Marketmakern kann die Wertpapierleihe zur Absicherung dienen, wenn sie für Kunden Futures, Optionen, an zwei Börsen gelisteten Wertpapiere und Wandelanleihen anbieten oder ausgeben. Broker/Dealer erhalten Zugang zu erstklassigen liquiden Vermögenswerten (High Quality Liquid Assets), die sie als Sicherheit bei einer zentralen Gegenpartei hinterlegen und zur Anpassung ihrer Bilanzen an regulatorische Anforderungen nutzen. 

Erinnern Sie sich noch an Long-Short-Fonds? Diese Fonds benötigen die Wertpapierleihe zur Durchführung ihrer Anlagestrategie. Unser „stiller Macher“ bleibt in den Handelsräumen nicht selten unbemerkt, dabei werden durch ihn die Aktivitäten anderer Händler in vielen Fällen überhaupt erst möglich. 

2017 wurde das Wertpapierleihevolumen auf rund 1,8 Billionen Euro geschätzt. Aufgeschlüsselt nach Aktien (49%) und Anleihen (51%) bedeutet dies, dass der weltweite Aktienumsatz weniger als 2% des Tagesumsatzes des Dow Jones ausmacht. Klingt das wenig? Vielleicht – doch ist es durchaus angemessen, wenn man bedenkt, dass die Wertpapierleihe lediglich unterstützende Funktion hat. Es werden Handels-, Absicherungs- und Besicherungentscheidungen sowie Entscheidungen über die Deckung fehlgeschlagener Geschäfte getroffen, die allesamt den Bedarf auslösen, Wertpapiere auszuleihen. Diese Unterstützungsrolle macht die Wertpapierleihe zu einer Hintergrundaktivität, wobei ohne die Fähigkeit zum Leihen und Verleihen die Kernaktivitäten nicht so reibungslos verlaufen könnten, wie sie es tun.

 

Rolle bei der Performanceoptimierung

 

Wirtschaftlich Berechtigte wie Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und Regierungsbehörden verfügen über einen wachsenden Pool stabiler Vermögenswerte, die sich zum Verleihen eignen und als solche zunehmend Eingang in Wertpapierdarlehensprogramme finden. Die zusätzliche Liquidität aus diesen vollständig besicherten, risikoarmen Transaktionen unterstützt den Markt, während die Verleiher von zusätzlichen Erträgen profitieren.  

Nehmen wir den Fall eines Pensionsfonds, der ein großes Portfolio von Staatsanleihen hält. Die Kunden des Fonds haben zwar eine geringe Risikotoleranz, erwarten aber dennoch Renditen, die die Wertentwicklung der entsprechenden Benchmark übertreffen. Mithilfe der Wertpapierleihe lassen sich solche Mehrerträge generieren. Die Anleihen werden dabei über eine vollständig besicherte Transaktion verliehen, bei der der Fondsmanager das Risikoprofil für die Sicherheiten festlegt. Der Pensionsfonds behält derweil die volle Flexibilität darüber, wie viel und an wen ausgeliehen wird und wann die Kündigung des Darlehens erfolgen soll. Als Besitzer eines Buy-and-Hold-Portfolios im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld könnte ihm eine Wertpapierleihestrategie 5, 10, 15 und mehr Basispunkte an zusätzlicher Rendite einbringen.

Was passiert beim Verleih eines Wertpapiers? Bei der Wertpapierleihe geht der vollständige Rechtstitel vom Verleiher auf den Entleiher über, während das wirtschaftliche Eigentum und alle damit verbundenen Rechte beim Verleiher verbleiben. Die Sicherheiten- und Gebührenmodalitäten können am Abschlusstag des Leihgeschäfts festgesetzt werden – für volle Flexibilität über einen möglichst langen Zeitraum. Sollten Barmittel als Sicherheit akzeptiert werden, kann daraus eine weitere Einkommensquelle erwachsen.

 

Rolle bei der Kostenreduzierung

 

Im aktuellen Umfeld niedriger Renditen rücken die Kosten wieder in den Fokus. So wurde einmal ein Portfoliomanager, der Australien besuchte, über seine Gebühren ausgefragt, noch bevor er Fragen zur Performance beantworten sollte. Banken und Fondsmanager sind Gegenstand einer ständig zunehmenden Kostenüberprüfung, außerdem sorgen regulatorische Änderungen weltweit für eine erhöhte Transparenz. Asset Manager fragen sich deshalb nun, ob die Wertpapierleihe dem Kunden transparent aufzeigen kann, wie sie seine Gesamtkosten durch die Generierung von Erträgen aus Vermögenswerten reduzieren, die ansonsten ungenutzt in den Wertpapierdepots schlummern würden. Darin besteht eigentlich auch die traditionelle Funktion der Wertpapierleihe – zusätzliche Erträge erwirtschaften, um die Kosten für Asset Owner auszugleichen.

 

Und wie sieht es mit den Risiken aus?

 

Die wirtschaftlich Berechtigten wollen nun wissen, wie es zu den Höhen und Tiefen in der Ertragsentwicklung kommt, und mit welchen möglichen Risiken sie rechnen müssen. Sie wissen um Flexibilität und auch, dass sie ihre Vorgaben entsprechend ihres allgemeinen Risiko-Rendite-Profils anpassen müssen. 

Die für einen Agent Lender wichtigste Aufgabe aus Risikomanagementsicht ist die sorgfältige Auswahl von Darlehensnehmern und Sicherheitenparametern. Die Wertpapierleihentschädigung ist eine Versicherung, die Anleger gegen das Kreditrisiko des Darlehensnehmers absichert. Im Falle des Kontrahentenausfalls wird der Agent Lender die vorhandenen Sicherheiten dazu verwenden, um die Wertpapiere des Kunden zurückzukaufen oder einen entsprechenden Geldbetrag zu zahlen.

Es gibt eine Reihe von Lendern, die nach den Marktturbulenzen 2008 und 2009 heute immer noch erfolgreich Wertpapiere verleihen. Das sind genau jene Verleiher, die sich ihres Risikoprofils bewusst sind und ihr Wertpapierleiheprogramm als Teil ihres Gesamtanlagerisikos betrachten und entsprechend handhaben.

 

Wie weiß ich, ob die Wertpapierleihe für mich und meinen Fonds geeignet ist?

 

Die Wertpapierleihe ist wie jede andere Anlagetätigkeit zu verstehen. Folglich sollten Sie sich genau erklären lassen, wie sie funktioniert, worin die größten Risiken bestehen und was getan werden kann, um diese Risiken zu mindern. Weist Ihr Fonds zudem irgendwelche besonderen Elemente auf, die Sie berücksichtigen sollten?

Beginnen Sie am besten mit einem Custodian-Programm, bei dem Sie volle Flexibilität genießen und ein erfahrener Mittler die Aktivitäten für Sie steuert. Möchten Sie nur ein Portfolio verleihen? Wesentliche Beteiligungen begrenzen? Das Programm elektronisch verwalten? Ihr Agent Lender kann all dies für Sie organisieren – natürlich unter Berücksichtigung Ihrer zentralen Anlagebedürfnisse.

Wie bei jeder Anlageentscheidung sollten Sie nach einer Performanceschätzung fragen und diese gegen die Risiken und Renditen abwägen. Dann beobachten Sie, wie alles läuft – vielleicht beschränken Sie sich zunächst auch nur auf eine Anlageklasse, bevor Sie Ihr Programm sukzessive erweitern.

Denken Sie darüber nach, welche Rolle die Wertpapierleihe im Rahmen Ihres globalen Anlageprofils spielen könnte. Sprechen Sie mit den Custodians, die über ein robustes Risikomanagement, umfassende Reportingtools und lokale Marktkenntnisse verfügen. Sie können einschätzen, welches die besten Möglichkeiten für Ihre Wertpapiere sind – dies immer mit Blick auf Ihr persönliches Risiko-Rendite-Profil, weil dies im besten Interesse des Kunden ist.

 

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