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Den nächsten Schritt in Sachen ESG wagen
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Den nächsten Schritt in Sachen ESG wagen

12/09/2017

Emma Crabtree

Emma Crabtree

BNP Paribas Securities Services

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In der Anlagebranche wird offen anerkannt, dass Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) von wesentlicher Bedeutung für  Asset Owner sind, die ihre treuhänderischen Pflichten und die Anlageinteressen der Millennials erfüllen möchten. Emma Crabtree, Head of Sales for Continental Europe bei BNP Paribas Securities Services, spricht über die immer häufigere Nutzung von ESG-Strategien und wie eine bessere Definition von ESG das Wachstum antreiben können

Werden ESG-Strategien immer beliebter und in welchen Anlegersegmenten?

Man kann einen wirklichen Umschwung zu ESG beobachten. Das Ergebnis liest sich in unserer eigenen ESG-Umfrage sehr gut, die zu dem Schluss kam, dass ESG-/Responsible Investment -Anlagen in den kommenden zwei Jahren ihr Volumen verdoppeln dürften.

Dies hat mehrere Gründe. Die  Asset Owner  unterliegen dem Druck der Aufsichtsbehörden und der Verbraucher, die eine Förderung und Anpassung der Anlagen an die breiteren Interessen ihrer Begünstigten verlangen. Dies ist wohl einer der Gründe, warum die Anlagen wohl nun weniger auf die sozial verantwortlichen Kriterien und eher aktiv auf ESG-Risikomanagement und die Integration von ESG überprüft werden.

Asset Owner können sehen, dass ESG das Gesamtrisiko und das Verwaltungsverfahren verbessert. Hinzu kommt, dass immer mehr Anleger nach Anlagen Ausschau halten, die nicht  zum Klimawandel beitragen. Dies hat seinen Ursprung in der Pariser Vereinbarung und der Arbeit der Taskforce on Climate-Related Financial Disclosures des Financial Stability Boards.

Sind Sie der Meinung, dass die ESG-Begriffe nicht klar genug definiert sind? 

Für mich bedeuten ESG-Anlagen die Anwendung einer ESG-Analyse auf das Unternehmen, in das Sie investieren möchten, egal in welcher Anlageklasse. Wir nennen dies Erstellung von ESG-Unternehmensprofilen oder ESG-Unternehmensuntersuchung. 

Für andere bedeutet ESG grüne Anleihen oder sozial verantwortliche Fonds oder einen vollständig integrierten Anlageansatz wie beispielsweise die Anwendung eines ESG-Profils auf all Ihre Anlagen. Dieser Ansatz wird von nur wenigen Unternehmen übernommen, ein Beispiel ist jedoch Unisuper.

Das Ergebnis unseres eigenen Researchs war, dass die Definition solch ein großes Problem darstellt, dass dies der Hauptgrund für Unternehmen ist, ESG nicht in ihren Entscheidungsfindungsprozess bei Anlagen einzubeziehen. Eine gemeinsame Begriffsbestimmung und eine Entmystifizierung des Jargons würde bereits ein großer Schritt in Richtung einer breiteren Akzeptanz sein. Wir haben letztes Jahr einen ESG-Leitfaden zum Anlagenprozess veröffentlicht, da wir das Thema beleuchten wollten. 

Kann die Integration von ESG in den Entscheidungsfindungsprozess bei Anlagen sich langfristig auszahlen?

Die Integration von ESG hat Kosten zur Folge. Denn die Unternehmen müssen kompetente Mitarbeiter einstellen und sowohl für die Daten als auch die Analysen aufkommen.

Asset Ownern machen diese Kosten Sorgen. Unsere jüngste Umfrage kam zu dem Schluss, dass die Kosten bei 16% der Befragten der Grund sind, warum sie ESG nicht stärker integrieren, in zwei Jahren dürfte diese Zahl auf 27% ansteigen.  Asset Owner machen sich insbesondere Sorgen: Knapp ein Drittel geht davon aus, dass die Kosten in den kommenden zwei Jahren ein umfassendes Hindernis sein werden.

Ich denke, dass bislang die „Kosten für ESG“ als negative Opportunitätskosten angesehen werden.

Trotzdem steigt die Nachfrage nach ESG-Dienstleistungen und die Branche wird in dem Bereich ESG kompetenter. Meines Erachtens werden ESG-Dienstleistungen für Asset Owner  und Dienstleister rentabel, die Transparenz und Innovation bieten. 

Es gibt unzählige Daten in Bezug auf ESG-Faktoren. Ihre Qualität ist jedoch sehr unterschiedlich und es ist oft schwierig, die wichtigen Informationen herauszufiltern. Erwarten Sie neue Technologien oder Analysemethoden, die bei der Analyse helfen können?

Das Problem bei den Daten ist nicht die Menge. Es ist eher die Qualität, die Beständigkeit und die Relevanz. Daten können äußerst lückenhaft sein und die Unternehmen, in die man investiert, legen nicht beständig Daten offen. Unsere Umfrage kam zu dem Schluss, dass die fehlende Robustheit der Daten die größte Hürde (55% der Befragten) für eine bessere Integration von ESG darstellt.

Wir sind der Meinung, dass die Daten sich aus drei Gründen verbessern werden

  • Stärkerer Fokus auf die Herstellung von Zusammenhängen bei den Daten – Analysen und Szenarioanalysen
  • Neue Vorschriften und Richtlinien 
  • Umfassendere Transparenz von Seiten der Unternehmen, in die man investiert (unterstützt durch Anleger)

Szenarioanalysen werden häufiger zum Tragen kommen. Viele der ESG-Daten sind historische, auf der Vergangenheit beruhende Daten. Es wird wohl einen Trend für zukunftsgerichtete Szenarioplanung geben und Fragen über zukünftige Risiken geben. Hierfür wird das E in ESG verantwortlich sein, denn das Verständnis klimabezogener Risiken bedarf den Blick in die Zukunft. Die Task Force on Climate-Related Disclosure des Financial Stability Boards hat seine Empfehlungen abgegeben, darunter ein 40-seitiges technisches Dokument über Szenarioanalysen. So sieht der Trend aus: umfassendere Offenlegung und Nutzung von Analysen.

Wir erwarten auch spannende Entwicklungen im Bereich Analysen, da die Computerwissenschaften, Big Data und künstliche Intelligenz immer häufiger benutzt werden, um neue Daten und Trends zu erfassen.

Wie sieht die Zukunft für ESG in der Branche aus?

Immer mehr Asset Owner  sehen momentan ESG als Anlagerisiko an, das neben Geschäfts- oder Marktrisiken analysiert werden muss. Für diese Unternehmen steht die Bedeutung von ESG-Faktoren nicht mehr zur Debatte. Es gibt nun Unternehmen, die ihre spezifischen ESG-Teams in ihr Front Office integrieren, damit sich ESG nahtlos in ihr Anlageverfahren einfügt. Das für die Anlageentscheidungen verantwortliche Senior Management wird jedoch von wesentlicher Bedeutung sein, um die Sicht des Unternehmens in Bezug auf ESG zu ändern und langfristig eine institutionsübergreifende Nutzung von ESG zu gewähren.

Ich bin der Ansicht, dass die Bankenbranche Innovation und Technologie zur Verfügung stellen muss, um die Asset Owner zu unterstützen. Dies gilt meines Erachtens insbesondere für Pensionsfonds, die zwar über Begünstigte verfügen, jedoch nicht unbedingt über die Mittel, um ihre eigenen Technologien und Analysen zu entwickeln. Es gibt also ein echtes Potenzial für Innovation mit Technologien wie Blockchain zur Unterstützung grüner Energie. Es ist für uns alle eine spannende Zeit und wir hoffen, dass wir dieser Herausforderung gewachsen sind.

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