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Bewältigung von Marktkomplexität mittels Fondsvertriebsplattformen
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Bewältigung von Marktkomplexität mittels Fondsvertriebsplattformen

27/11/2015

Author : Anne-Laure Couturier, Senior Strategy Analyst at BNP Paribas Securities Services

Wir nähern uns den Umsetzungsfristen für MiFID II. Was sind die konkreten Änderungen für Asset Manager?

Anne-Laure Couturier-vignette-blogueur_final.jpgIn diesem zweiten Artikel zu Fondsvertriebsplattformen sieht sich Anne-Laure Couturier an, wie die Asset Management-Branche mit der Komplexität der Marktgepflogenheiten umgeht und neue Wege findet, um ihre Vertriebsnetze auszuweiten.

Während europäische Anreizvorschriften in Bezug auf Transparenz und Anlegerschutz vor Falschberatung und Überverkauf eine gemeinsame Philosophie annehmen[i], weisen die letzten MiFID II-Entwicklungen darauf hin, dass das Verbot von Anreizrahmen in den europäischen Ländern unterschiedlich bleiben wird.

Die Herausforderung im europäischen Fondsvertrieb wird daher mit grenzüberschreitendem Vertrieb zu tun haben: Asset Manager und Vertreiber werden gezwungen sein, mit unterschiedlichen Marktgepflogenheiten umzugehen, und potenzielle Neulinge müssen die zugrunde liegenden Eintrittsbarrieren verstehen, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen können.

 

Umgang mit komplizierten Unterschieden bei den Marktgepflogenheiten

Asset Manager werden die Nuancen jedes europäischen Marktes unter MiFID II gut kennen müssen. Falls sie ihren Vertrieb in andere europäische Länder ausbauen möchten, müssen sie ihre grenzüberschreitenden Strategien überdenken – vor allem, indem sie auf Fondsvertriebsplattformen setzen.

Fondsvertriebsplattformen sind eine Antwort auf die Herausforderungen, die diese immer komplexer werdende Vertriebslandschaft birgt. Zusätzlich zum Order Routing, zu Abwicklung und zu effizienten internen Verfahren, die die Einhaltung der Vorschriften erleichtern, bieten sie Mehrwertdienstleistungen, die sie abheben, zum Beispiel „Know Your Distributor“. Dies kann Asset Managern helfen, auf Grundlage der in der Plattform gesammelten Daten an Markteffizienz und Fondsintelligenz zu gewinnen, was ihnen wiederum hilft, bestimmte zentrale Fragen zu beantworten: welches Produkt sie vertreiben sollen, über welchen Vertriebskanal und in welchen Ländern.

Mit einer neuen Wirklichkeit, die Beratungsroboter und die Zunahme passiver Investitionen beinhaltet, sehen einige Asset Manager Chancen, ihre Vertriebskanäle auszubauen und in einigen Ländern ein Distributor-to-Consumer-Netzwerk (D2C) aufzubauen, um direkt an Endanleger zu vertreiben.

In anderen Ländern entscheiden sich Asset Manager dafür, ihren bestehenden Vertriebskanal mit zentralen Vertreibern wie Wealth Managern zu bereichern. Die gemeinsame Erfahrung kann genutzt werden, um sehr vermögenden Privatkunden stärker zugeschnittene Produkte anzubieten, die sich an Branchenveränderungen anpassen (zum Beispiel provisionsfreie Anteilsklasse), und Einblicke, die Beratungsroboter kaum nachahmen können.

 

Erkundung von Pilotmärkten

Länder mit radikaleren Anreizreformen wie Grossbritannien und die Niederlande werden von einigen Asset Managern als Pilotmärkte gesehen, in denen sie experimentieren, bevor sie ein europaweites Geschäft starten. Wenn sie einmal alle aufsichtsrechtlichen, betrieblichen und Kundenanforderungen in diesen Ländern erfüllen können, ist die Expansion in andere Anlageklassen oder andere europäische Länder deutlich einfacher.

Grossbritannien war das erste Land, das solche Reformen verabschiedete, und zwar mit dem Retail Distribution Review (RDR), das am 1. Januar 2013 in Kraft trat und ein direktes Verbot von Provisionen an Finanzberater und Plattformen beinhaltete. Die Niederlande haben im Januar 2014 eine strengere Version des britischen RDR verabschiedet, bei dem Provisionen bei einem breiten Produktspektrum, einschließlich Hypothekenkrediten, verboten wurden. Schweden könnte vor der MiFID II-Umsetzungsfrist im Januar 2017 mit einer neuen Reform folgen.

Das Verbot von Provisionen in diesen Ländern hat zu einem Trend zu „geführter“ Architektur, starker Verbreitung von Plattformen mit innovativen Funktionen und Beratungsrobotern geführt, dieKundenmittel kostengünstigen ETFs oder Indexfonds zuweisen.

Stellen Sie sich zum Beispiel ein Unternehmen vor, das Merkmale des „Social Investment“ in seine Plattform aufnimmt, um aus seinen Kunden ihre eigenen Berater zu machen: Damit hat Nordnet in Schweden bereits begonnen.

Der US-ETF-Spezialist Vangaurd hat überhaupt erst begonnen, seine kostengünstigen Fonds nach Grossbritannien zu exportieren, als RDR gerade in Kraft trat. Nachdem Vanguard erst mit einem Produkttyp begonnen hat, der alle aufsichtsrechtlichen und betrieblichen Anforderungen erfüllt, ist jetzt eine Expansion nach Europa in andere Anlageklassen geplant.

Ein anderes Beispiel: Blackrock entschied sich, das amerikanische Beratungsroboterunternehmen FutureAdvisor zu kaufen, statt es selbst zu bauen, um mit Banken, Broker-Dealers und Finanzberatern zusammenzuarbeiten. Blackrock hat auch angedeutet, dass es plant, diese Funktion weltweit auszubauen, insbesondere auch in England.

Andere europäische Länder entwickeln sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit und die Eintrittsbarrieren sind unterschiedlich. Dennoch haben wir in Ländern mit Anreizregeln, die sehr nahe an denen von MiFID II sind – wie Deutschland und Italien – beobachtet, wie Banken und Asset Manager vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um der Veränderung voraus zu sein. In europäischen Ländern ohne Provisionsverbot wie Frankreich und Spanien dominieren immer noch einheimische Banken und Asset Manager, obwohl der Wettbewerb von internationalen Asset Managern und neuen D2C-Anbietern zunimmt, während Plattformen verbreiteter werden.

 

Voraussetzungen für den Erfolg

Die Anzahl der Gesetzesinitiativen, die die Transparenz, den Anlegerschutz und Anreizverbote weltweit erhöhen, mit extraterritorialen Maßnahmen und verschiedenen Fristen verbunden sind, schafft für Asset Manager bedeutende Herausforderungen und Eintrittsbarrieren.

In Europa kommen die meisten Asset Manager mit der Belastung der ständigen aufsichtsrechtlichen Anreizreformen, von denen MiFID II nicht die geringste ist, halbwegs zurecht, aber werden sich dennoch anpassen und laufende Vorschriften mit grenzüberschreitenden Auswirkungen, wie PRIPS, IMD und Schattenbanken, berücksichtigen müssen. Sie werden ihr Produktangebot überdenken und nach einem neuen Einnahmenmodell suchen müssen, das an die Unterschiede im Fondsvertrieb angepasst ist. Asset Manager mit einer erfolgreichen Vertriebsplattformstrategie werden für die nächste Welle von Veränderungen vorbereitet sein.

Der US-Markt ist bisher von bedeutenden aufsichtsrechtlichen Überholungen der Vertriebsgebühren verschont geblieben. Dennoch sind Interessenkonflikte für die SEC eine wachsende Priorität geworden und die Anleger selbst verlangen die Offenlegung aller Gebühren und Kosten. Um mit dieser neuen Wirklichkeit umzugehen und sich auf die Preisentflechtung in einer Vertriebslandschaft, in der Fondsvertriebsplattformen größtenteils dominieren, vorzubereiten, wenden sich führende US-Asset Manager kreativen Ansätzen zu, vor allem datengetriebenem Vertrieb und Innovation, um das richtige Produkt im richtigen Land zu liefern.

 


[i] Retail Distribution Review im Vereinigten Königreich, Dutch Act in den Niederlanden, Artikel 24 in MiFID II

 

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