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Eine positive Kraft
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Eine positive Kraft

18/03/2015

Das wachsende Interesse der Öffentlichkeit für das Umwelt-, Sozial- und Governance-Profil (ESG) von Unternehmen führt dazu, dass auch die kleinsten Fehler mit hohen Kosten verbunden sein können. Eine bessere Berichterstattung an die Anleger ist dringend vonnöten.

Für Anleger gibt es kaum etwas Schlimmeres als Unternehmen, die sich ihrer verantwortungsvollen Haltung in Bezug auf Umwelt-, Gesellschafts- und Governance-Fragen (ESG) rühmen, nur um dann durch ein unerwartetes Risiko Ertragseinbrüche zu erleiden – oder ihre Reputation zu verlieren.

Warren Buffet kann ein Lied davon singen.

In seinem letzten Aktionärsbrief vom März gestand das „Orakel von Omaha" seine Beschämung darüber ein, seinen Anteil an der britischen Supermarktkette Tesco im Wert von 1,5 Mrd. Pfund Sterling trotz seiner Vorbehalte gegenüber der Geschäftsführung nicht verkauft zu haben. Dass er das Ausmaß der Misswirtschaft, die Ende letzten Jahres in einem Rechnungslegungsskandal gipfelte, unterschätzt hatte, kostete seinen Fonds 287 Mio. Pfund Sterling.

Die rechtzeitige Erkennung von Risiken dieser Art – bevor sie Ihre Reputation oder den Wert Ihrer Anlagen schädigen – ist heute wichtiger denn je. Die Kombination aus staatlicher Regulierung, dem Druck der Interessengruppen und einem breit angelegten öffentlichen Unmut treibt die ESG-Kriterien an die Spitze der politischen und öffentlichen Debatte. Die Inhaber und Verwalter von Vermögenswerten standen noch nie unter einem vergleichbaren Rechtfertigungsdruck. Sie müssen belegen, dass ihre Anlagepolitik in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft nachhaltig ist und dass sie eine „gute“ Unternehmensführung fördern. 

Nach Ansicht der Vermögensinhaber sind die ESG-Tools, die sie vor Misserfolgen à la Tesco schützen sollen, jedoch nur ungenügend für diesen Zweck geeignet.

„Der starke Fokus auf die Offenlegungsverfahren hat lediglich zu einem sogenannten ‚Greenwashing‘ geführt: viel Lärm um die ESG-Kriterien, aber kaum Erfolge”, erläutert Lisa Beauvilain von Impax Asset Management.

„Der Hauptproblem liegt darin, dass wir uns zu sehr auf die jährlichen ESG-Berichte der Unternehmen verlassen. Doch handelt es sich dabei eher um eine Wunschdarstellung, als um eine quantitative Analyse", stellt Deborah Gilshan, Head of Corporate Governance and Shareholder Engagement Policies bei Railpen, fest.  Die Berichte enthielten kaum detaillierte Informationen, anhand derer die Anleger die langfristigen Auswirkungen der ESG-Politik auf den von dem Unternehmen generierten Wert einschätzen könnten.

Diese Beschwerde kommt für Johannes Weber, Produktspezialist für Anlageberichterstattung bei BNP Paribas Securities Services nicht überraschend. „Die Vemögensinhaber und -verwalter sagen, sie hätten nicht die erforderlichen Tools für die Beschreibung der ESG-Performance", berichtet er, „und erst recht nicht für ihre Beobachtung oder Integration in den Anlageprozess".

Von den Vermögensinhabern kann nicht erwartet werden, dass sie jede Firma in ihrem Portfolio kontrollieren. Daher üben sie verständlicherweise verstärkten Druck auf die Verwalter ihrer Anlagen aus.

Im Januar 2015 veröffentlichten 16 der größten Pensionsfonds  – eine Gruppe mit einem verwalteten Vermögen von 200 Mrd. Pfund Sterling, zu der BT und BBC gehören – einen Leitfaden, der gewährleisten soll, dass die Verwalter ihr Versprechen einer verantwortungsvollen Anlage, das sie im Bemühen um die Gewinnung von Mandaten abgeben, auch tatsächlich einhalten.

Railpen verringert, teilweise um die ESG-Performance besser überwachen zu können, die Anzahl der beschäftigten Verwalter. Gilshan strebt eine Veränderung der Perspektive an: Statt als Risiko, das Werte zerstört, sollten die Verwalter ESG vielmehr als Chance begreifen, die Wert schaffen kann.  „Vor den Verwaltern liegt noch ein langer Weg. Bis sie ihre Verantwortung verstehen und zeigen, dass sie Stimmrechte als Mittel ansehen, um diese Verantwortung wahrzunehmen, müssen wir uns noch lange aktiv engagieren."

Durch den verstärkten Druck auf die Anlageverwalter entsteht zunehmend das Bedürfnis nach individuell angepassten ESG-Berichtslösungen. BNP Paribas Securities Services hat jüngst eine derartige Lösung herausgebracht. Sie bietet eine Bandbreite an deskriptiven Daten sowie die analytischen Tools für deren Interpretation. So können Positionen portfolioübergreifend gesammelt werden, um eine umfassende Beschreibung der aktuellen Anlageallokation und der Konzentrationsrisiken eines Fonds oder einer Strategie zu erhalten. Anschließend können diese Daten um die historische Wertentwicklung oder sogar die Wertentwicklung im Vergleich zur eigenen Bezugsgruppe ergänzt werden.

Das Aufsichtsrecht unterstützt diese neuen Anstrengungen auf ESG-Gebiet.

Auf globaler Ebene hat sich die Zahl der Unterzeichner der UN-Grundsätze für verantwortungsvolle Anlagen (UN PRI – UN’s Principles for Responsible Investment) unter dem Druck der Mitgliedstaaten seit 2009 fast verdoppelt und liegt jetzt bei 1.325 Organisationen, die zusammen ein Vermögen von 45 Bio. US-Dollar verwalten. Initiativen wie die Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) haben einen spezielleren Fokus gewählt.

In Europa gab die EU-Kommission im vergangenen Sommer die Aktionärsrechte-Richtlinie bekannt. Sie bietet einen Rahmen für institutionelle Anleger und die von ihnen beauftragten Anlageverwalter. Diese müssen belegen, dass ihre Anlagepolitik auf lange Sicht nachhaltig ist, und gleichzeitig die nicht-finanziellen Dimensionen berücksichtigen, die für den ESG-Bereich charakteristisch sind.

Auch in Asien kommt diesbezüglich Bewegung ins Spiel . Australien hat bereits Maßnahmen zur Förderung von Best-Practice-Verfahren ergriffen: Der australische FSC-Standard Nr. 20 erlegt australischen Pensionsfonds (sogenannte Superannuation Funds) die Entwicklung und Einrichtung einer Steuerungspolitik für ESG-Risiken auf. Der Großteil der australischen Pensionsfonds – 34 Anlageinhaber und 78 Anlageverwalter – ist Unterzeichner der UN PRI. In Japan besteht derweil ein zentraler Aspekt der dritten Stufe im Rahmen der von Premierminister Shinzo Abe eingeführten „Abenomics" in der Verbesserung der Corporate Governance japanischer Unternehmen. Zudem wird das Land in diesem Jahr einen neuen Corporate Governance-Kodex verabschieden.

Druck von Regierungen, Aufsichtsbehörden und landesweiten Gremien wird entscheidend für das Engagement von Unternehmen und ihren Eigentümern sein. Funktionieren kann das aber nur, wenn die Interessengruppen den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Engagement erkennen und messen können. Eine bessere Berichterstattung wird von jedem Glied der Eigentümerkette geschätzt werden – von den Treuhändern der Pensionsfonds bis hin zu den Eisenbahnarbeitern, die sie vertreten. Außerdem trägt sie dazu bei, die größtenteils verborgenen Risiken in Zusammenhang mit den ESG zu umschiffen, die nach wie vor erheblich sind: Vor dem, was Warren Buffet passieren kann, ist auch niemand anderer gefeit.

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