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Neuer Stresstest-Ansatz: Auswirkungen des Klimawandels auf Aktienportfolios institutioneller Anleger
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Neuer Stresstest-Ansatz: Auswirkungen des Klimawandels auf Aktienportfolios institutioneller Anleger

18/09/2017

Im Dezember 2015 beschlossen rund 200 Nationen auf der UN-Klimaschutzkonferenz ein globales Abkommen zum Klimawandel: Sie verpflichteten sich zur Begrenzung der globalen Temperaturerhöhung auf 1,5 bis 2 Grad Celsius

In der Zwischenzeit sind zahlreiche Initiativen und Gesetzgebungsvorhaben gestartet worden, um diese Vereinbarung in nationales Recht umzusetzen.

Gerald Noltsch, Head of BNP Paribas Securities Services Deutschland, hält fest: „Das Abkommen hat auch Auswirkungen auf die Finanzbranche. Asset Owner stellen sich die Frage, welchen Einfluss diese Vereinbarung auf die Performance ihrer Anlagen hat. Da Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke üblicherweise bedeutende Anteile ihrer Mittel in Aktientiteln halten, sind insbesondere die Auswirkungen des Abkommens auf die Marktkapitalisierung von Aktiengesellschaften von Interesse.“

Um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wertentwicklung institutioneller Aktienportfolios zu ermitteln, hat die BNP Paribas in Kooperation mit Avalerion Capital einen neuartigen Klimawandel-Stresstest konzipiert. Bei diesem werden drei Faktoren herangezogen: die CO2-Preise, die Energieeffizienz-Verordnungen sowie die Energiesubventionspolitik. Diese drei Faktoren beeinflussen wesentlich die Höhe der CO2-Emissionen und wirken sich unmittelbar bzw. mittelbar auf den Vorsteuergewinn und damit auf den Marktwert der Unternehmen aus. Im Gegensatz zu bisherigen Stresstests, in deren Mittelpunkt in aller Regel der Umfang der CO2-Emissionen steht, setzt dieser Ansatz also bereits an den Einflussfaktoren für den Umfang der CO2-Emissionen an.

Ergebnisse dieses neuen Stresstest-Ansatzes liegen bereits zum ersten untersuchten Faktor, den CO2-Preisen, vor. Die beiden anderen Faktoren, die Energieeffizienz-Verordnungen sowie die Energiesubventionspolitik, werden in einem weiteren Schritt sukzessive in die Stresstest-Szenarien einbezogen.

Im Rahmen dieses Stresstests werden drei globale Klimawandel-Szenarien aufgestellt: Eine Erwärmung um 3 bis 4 Grad Celsius (Business-as-usual-Szenario), eine Erwärmung um 2,7 Grad Celsius (Szenario der nationalen Klimaschutz-Zusagen) und eine Erwärmung um 1,5 bis 2 Grad Celsius (Szenario des UN-Klimaschutz-Abkommens). Aufbauend auf diesen Klimawandel-Szenarien entwickelten Experten der BNP Paribas und Avalerion Capital für jeden der sechs größten Emissionsmärkte (EU, China, Korea, Japan, Indien, USA) CO2-Preis-Szenarien bis zum Jahr 2025. Führt man die drei globalen Klimawandel-Szenarien mit den entwickelten CO2-Preis-Szenarien zusammen, entsteht folgendes Bild:

img_bp2_neuer-stresstest_pic_2017-09-18.png
CO2-Preis-Szenarien bis 2025

Die Berechnungen zeigen also, dass ein Anstieg der CO2-Preise auf 50-75 US-Dollar realistisch ist, wenn das UN-Klimaschutzabkommen tatsächlich umgesetzt und die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad Celsius begrenzt wird.

Um zu ermitteln, welche Unternehmen vom Anstieg der CO2-Preise insbesondere betroffen sind, wurden die CO2-Emissionen aller Unternehmen im MSCI All Countries World Index berechnet und bis ins Jahr 2025 projiziert. Berücksichtigt wurden dabei ausschließlich Scope-1- und Scope-2-Emissionen.

Auf Sektorebene wurden dann Annahmen getroffen, welcher Anteil der entstehenden CO2-Kosten voraussichtlich von den Unternehmen getragen wird bzw. welcher Anteil auf Kunden umgewälzt werden kann. Diese Annahmen basierten auf Researchdaten, Kenntnissen zur Marktmacht der Unternehmen und Einschätzungen der Nachfrage-Elastizitäten. Aufbauend auf diesen Daten wurden schließlich die Effekte des CO2-Preises und seiner Veränderungen auf den Vorsteuergewinn für nahezu alle Unternehmen im MSCI All Countries World Index berechnet.

Die Berechnungen kamen zu folgendem Ergebnis: Vier Sektoren sind von CO2-Preisen erheblich betroffen: Versorgung, Rohstoffe, Energie und Industrie. Bereits im Business-as-usual-Szenario beeinflussen die CO2-Preise hochgerechnet auf das Jahr 2025 zwischen 2 und 20 Prozent des Vorsteuergewinns. Beim Szenario der Umsetzung des UN-Klimaschutz-Abkommens steigen diese Effekte um das Fünffache. Die Effekte in anderen Sektoren lagen dagegen jeweils unterhalb von 2 Prozent des jährlichen Vorsteuergewinns.

Mit diesem Stresstest-Ansatz ist es nun möglich, einzelne Portfolios zu analysieren und deren Risiken mit Blick auf den Klimawandel zu identifizieren. Neben der Risikoanalyse bietet der Stresstest aber auch die Möglichkeit, Strategien zur Umschichtung von Portfolien zu entwickeln, um drohende Performanceverluste zu reduzieren. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die naheliegende Methode, die Niedrigemissionsmethode, nicht die beste Strategie ist: Bei der Niedrigemissionsmethode wird das Anlageportfolio – unter Einhaltung der Tracking-Error- sowie Gewichtungsvorgaben – durch eine Minimierung der absoluten CO2-Emissionen optimiert. Unsere Analysen zeigen, dass diese Methode zwar die CO2-Emissionen des Portfolios um mehr als 60 Prozent reduziert, sie jedoch nur rund 22 Prozent des im Stresstest ermittelten potenziellen Vorsteuerverlusts abfängt. Die Verringerung des CO2-Profils führt also nicht automatisch zu einer ähnlich hohen Reduzierung des finanziellen Risikos.

Wendet man dagegen die Methode der Vorsteuergewinn-Absicherung an, wird das Anlageportfolio hinsichtlich der Effekte der CO2-Preisauswirkungen optimiert. Dadurch werden die Vorsteuerverluste zu über 90 Prozent abgefangen. Die „Kosten“ für diese Umschichtung sind ein Tracking Error von 2,3 Prozent p.a. Damit weist die Vorsteuergewinn-Absicherung gegenüber der Niedrigemissionsmethode klare Vorteile auf.

Ein noch besserer Effekt kann durch eine Kombination beider Methoden erreicht werden, mit der sogenannten Smart-Carbon-Hybrid-Methode: Hier wird im ersten Schritt die Niedrigemissionsmethode zur Festlegung eines Anlagespektrums eingesetzt, das im Wesentlichen aus Unternehmen mit kleinem CO2-Profil besteht. Im Anschluss wird der Vorsteuergewinn abgesichert, um – unter Einhaltung der Tracking-Error- und Gewichtungseinschränkungen – noch verbleibende CO2-Preisrisiken abzusichern.

Kurt Zeimers, Produkt Manager BNP Paribas Securities Services, schlussfolgert: „Die ersten Ergebnisse dieses neuen Stresstest-Ansatzes zeigen, dass der CO2-Preis ein erhebliches Performance-Risiko für Aktienportfolios in den kommenden Jahren darstellt. Die bisherigen Stresstests, die sich allein auf die Höhe der absoluten CO2-Emissionen fokussieren, leisten eine derartig tiefgehende Analyse nicht. Der hier gewählte Ansatz macht außerdem deutlich, dass die Steuerung des CO2-Risikos über die absoluten CO2-Emissionen der Unternehmen nicht vor den Auswirkungen künftiger CO2-Preiserhöhungen schützt. Dadurch stellt dieser Ansatz institutionellen Investoren weit mehr Informationen zur Steuerung ihrer Anlagepolitik zur Verfügung als dies bisher entwickelte Konzepte vermögen.“

 

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