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Fondsvertrieb in Europa
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Fondsvertrieb in Europa

11/09/2015

Author : Pierre Mottion, Global Head of Transfer Agent and Fund Dealing Services Products at BNP Paribas Securities Services

Ausschöpfen des vollen Potenzials der Target 2 Securities

vignette-blogueur_Pierre Mottion.jpgDie Fondsbranche in Europa steht vor spannenden Herausforderungen, die das gängige Vertriebsmodell für Fonds in Europa in den nächsten Jahren verändern dürften. Ganz vorne steht dabei die Tatsache, das die europäischen Finanzmärkte TARGET2-Securities (T2S) umsetzen, um einen effizienteren grenzübergreifenden Investitionsprozess zu gewährleisten. Parallel dazu führen die europäischen Behörden regulatorische Änderungen ein, beispielsweise die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente 2 (MiFID 2). Heute schaffen die europäischen Behörden und Marktinfrastukturen die Bedingungen, um Europa zu einem attraktiveren Investitionsstandort zu machen, indem sie für mehr Markttransparenz, höheren Anlegerschutz und geringere Abwicklungskosten sorgen.

Europa soll zu einem attraktiveren Investitionsstandort werden

Stärkere Transparenz – MiFID 2

Die Richtlinie MiFID 2, die die britische Regulierungsvorschrift Retail Distribution Review (auch genannt RDR, umgesetzt im Jahr 2013) und das niederländische Verbot von Vertriebsanreizen (umgesetzt im Jahr 2014) zum Vorbild hat, wird im Januar 2017 in Kraft treten. Sie ändert den europäischen Rahmen durch Feinabstimmung der bestehenden Verpflichtungen, darunter Produkt-Governance, Pflichten der Prüfung der Geeignetheit gegenüber Anlegern und Transparenzpflichten.

MiFID 2 führt erhöhte Kontrollpflichten hinsichtlich des Vertriebes nicht nur in Bezug auf Vermögensverwalter ein, sondern auch in Bezug auf die ganze Vertriebskette, einschließlich Distributoren und Intermediäre. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass Fondsanbieter darauf achten müssen, dass Anleger über ein angemessenes Risikoprofil verfügen, und dass sie die Informationen, die sie Endanlegern zur Verfügung stellen, überwachen, aber dies ist keine leichte Aufgabe. Vermögensverwalter müssen sicherstellen, dass ihre Produkte zum Vertriebszeitpunkt im passenden Zielmarkt vertrieben werden, zusammen mit dem angemessenen Informationsmaterial, aber auch über die gesamte Lebensdauer der Investition hinweg.

Stärkere Vertriebskontrolle, verbunden mit einer Änderung der Vergütungsmodelle, werden die Fondsvertriebslandschaft tiefgreifend verändern, wobei Plattformen ihren Marktanteil erhöhen werden, die Zahl der Marktteilnehmer wird sich konsolidieren und es werden digitale Strategien entstehen, die die Schaffung von D2C-Modellen (Direct to Customer, Direktvertrieb) erleichtern.

 

Zunehmende Settlementeffizienz – TARGET2-Securities

Im Jahr 2015 wurdeT2S in Europa praktisch umgesetzt. Fünf Zentralverwahrer (CSDs) wurden auf diese neue Abwicklungsplattform umgestellt. Bis Mitte 2017 werden insgesamt 24 CSDs in 21 Ländern der T2S-Plattform beitreten. T2S ist ein Projekt unter Führung des Eurosystems (Europäische Zentralbank), um eine einzige gesamteuropäische Settlement-Plattform zu schaffen, die als zentrale Anlaufstelle dient sowie schnellere und sicherere Abwicklung aufgrund eines L/Z-Mechanismus (Lieferung gegen Zahlung) gewährleistet. Es stellt auch eine günstigere Alternative zum Settlement per Register dar.

Aber es bedingt auch weniger Transparenz zwischen den Käufern und Verkäufern eines Fonds, da die überwiegende Mehrheit von Konten Gemeinschaftskonten sind, die von T2S-Teilnehmern eröffnet werden.

 

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T2S: Ein Katalysator für mehr Wettbewerb und Effizienz

In Europa koexistieren zwei Modelle für die zentrale Verwaltung des Fondsvertriebs, jedes mit seinen eigenen Vorteilen und Herausforderungen.

- Zentralisierung direkt im Register des Fonds, wie zum Beispiel in Luxemburg und Irland, bedeutet, dass Anleger ihr Konto direkt beim Transferagenten des Fonds eröffnen. Bei diesem Modell identifiziert das Register eines Fonds eindeutig den Kontoinhaber und der Annahmevorgang durch den Fonds kann auf einfache Weise durchgeführt werden. Der Registrierungsprozess ist jedoch kostspielig und das Settlement wird zweigleisig abgewickelt.

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- Zentralisierung durch einen Zentralverwahrer (CSD), wie beispielsweise in Deutschland oder Frankreich, die industrialisiert wurde über ein L/Z-Abwicklungsverfahren zwischen CSD-Teilnehmern. Allerdings ist ein Fonds unter Umständen nicht in der Lage, den Anleger oder den Distributor hinter dem CSD-Teilnehmer zu identifizieren. Beim Vertrieb in den verschiedenen CSD-Märkten muss für jeden Zentralverwahrer ein Fonds neu aufgelegt und eine lokale Zentralisierungsstelle benannt werden. Diese Stelle zentralisiert Orders von den CSD-Teilnehmern, führt sie beim Zentralverwalter aus, führt das Konto für die Neuauflage des Fonds beim Zentralverwahrer und ist für das Settlement zuständig.

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Hybridmodell als Ziel

T2S schafft eine grundlegend neue Ausgangssituation, indem sie neue Settlementkapazitäten für den Vertrieb innerhalb des geografischen Geltungsbereiches von T2S einführt und den Wettbewerb unter den Zentralverwahrern erhöht.

Das neue Vertriebsmodell ist darauf ausgelegt, stufenweise die Vorzüge des Registrierungs- und des Zentralverwahrer-Modells miteinander zu kombinieren. Es muss auch mit den weltweiten Vertriebsbedürfnissen harmonieren, da viele Fonds außerhalb Europas vertrieben werden, wo das Registrierungsmodell vorherrscht.

Beim kommenden Hybridmodell muss ein Fonds unter Umständen eine T2S-Zentralisierungsstelle benennen, die im Laufe der Zeit die lokalen Zentralisierungsstellen ersetzt. Die T2S-Zentralisierungsstelle sammelt Orders und führt das Konto für die Neuauflage des Fonds in der T2S-Umgebung. Um die Vertriebsaufsicht zu vereinfachen und die Registrierungskosten zu verringern, kann der Zentralverwalter in manchen Fällen die Rolle der T2S-Zentralisierungstelle übernehmen.

 

Ein Puzzlestück fehlt noch

Eine der Herausforderungen der Branche liegt darin, Anleger, Intermediäre oder Distributoren hinter den Transaktionen mithilfe des T2S-Rahmens zu identifizieren.

Manche Länder haben bereits Marktpraktiken eingeführt, um Transaktionen in einer CSD-Umgebung zu identifizieren. Im Rahmen solcher Praktiken wird eine Kennzeichnungspflicht eingeführt, d. h. jede Transaktion wird mit einem Code verknüpft, durch den ein Fondsanbieter den Auftraggeber identifizieren kann. Die Zentralisierungsstelle, benannt durch den Fonds, kann dadurch exante-Kontrollen jeder Transaktion durchführen. In Frankreich listet ein Distributoren-Referenzwerk namens „BIC1“, ein anerkannter SWIFT- und EFAMA-Standard, rund 2000 Distributoren aus ganz Europa auf, die ihre Effizienz in der Praxis bewiesen haben (98,9% der Orders sind mit einer Kennzeichnung versehen). Eine derartige Marktreferenz wäre auch für die breiter angelegte T2S-Plattform denkbar für Zeichnungen, Rücknahmen oder Änderungen.

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Die Übertragung von Aktien zwischen CSD-Konten werden dem Fonds oder seiner Zentralisierungsstelle jedoch nicht ex-ante gemeldet. Der bestehende Prozess, nämlich ein regelmäßig stattfindender Abgleich der Positionen in den Büchern der Zentralverwahrer, ermöglicht die Anpassung der Positionen ex-post. Eine Ausweitung der Kennzeichnungspflicht auf Übertragungen wäre eine Überlegung wert, um ein Umfeld zu schaffen, das die effiziente Vertriebskontrolle innerhalb der T2S-Plattform gewährleistet.

Das ist erst der Anfang

Die Branche entwirft derzeit ein Konzept für neue Fondsvertriebsmodelle, das die Vorteile der effizienten T2S-Prozesse einbezieht und gleichzeitig die Eignungsanforderungen der MiFID-Richtlinie erfüllt. Die Branche steht komplexen operativen Herausforderungen gegenüber, um Zugang zu Anlegern auf der ganzen Welt zu erhalten und den Identifizierungsprozess zu vereinfachen. Wir gehen davon aus, dass der Prozess die Form einer allmählichen Evolution über mehrere Jahre hinweg annehmen, und dass es zu keinen drastischen Umbrüchen beim Fondsvertrieb kommen wird. Dank unserer lokalen Fachkenntnisse über sowohl das Registrierungs- als auch das Zentralverwahrer-Modell sind wir in den europäischen Hauptstandorten für Fonds am Dialog in Zusammenhang mit T2S und MiFID beteiligt. Diese beiden Initiativen haben enormes Potenzial für die europäischen Märkte, sowohl hinsichtlich stärkerer Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Branche als auch hinsichtlich des verbesserten Anlegerschutzes.               

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