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China

14/09/2015

Author : Hue Lu, Senior Investment Specialist at BNP Paribas Investment Partners

Hat Chinas Marktintervention seine Liberalisierungsambitionen aus der Spur geworfen?

Hue-Lu.jpgIn den letzten 12 Monaten hat China erhebliche Schritte bei der Öffnung seiner Finanzmärkte für Ausländer getan und eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, die klar zur Liberalisierung seiner Kapitalbilanz führen. Allerdings haben Pekings jüngste Interventionen, um die erhebliche Talfahrt des A-Aktienmarkts zu stoppen und Onshore-Privatanleger zu retten, Zweifel innerhalb der internationalen Gemeinschaft aufkommen lassen, ob China ist wirklich bereit, das Modell des freien Marktes anzuwenden.

Angesichts der jüngsten, harten Reaktion Pekings, um den starken Fall im A-Aktien-Markt zu stoppen, ist es verständlich, dass die Marktbeobachter Chinas Disziplin und Bereitschaft, die Öffnung der Kapitalbilanz zu beschleunigen, in Frage stellen. Für viele internationale Beobachter haben diese Interventionen nicht nur das Vertrauen der Anleger in den Markt untergraben, sondern auch Bedenken aufkommen lassen, ob die Interferenz der Regierung eine moralische Gefahr schafft und eine zukünftige Blase am Markt anheizt. 

Um fair zu sein, ist China nicht die einzige Regierung, die in den letzten Jahren bei Krisen an den Kapitalmärkten interveniert hat. Zum Beispiel konnten wir während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 ähnliche Szenarien beobachten, als Regulierungsbehörden in einer Reihe von Industrieländern Leerverkaufsverbote für Banken erließen. Im Jahr 1998 hat die Regierung in Hongkong gehandelt, um die Märkte während der Finanzkrise in Asien zu stützen. Und im Oktober 2010 intervenierte die japanische Notenbank an den Aktien- und Devisenmärkten.

Zweifellos muss China jetzt sein internationales Image wiederherstellen. Peking steht derzeit vor der Herausforderung einer Gratwanderung, um mögliche soziale Unruhen zu vermeiden, die Millionen von unzufriedenen Onshore-Investoren auslösen könnten, die sich durch seine Politik verraten fühlen, und gleichzeitig seine Glaubwürdigkeit bei der internationalen Gemeinschaft - einem notwendigen Partner bei seinen Liberalisierungsambitionen - aufrecht zu erhalten. Da die soziale Stabilität entscheidend für jede Chance auf eine prosperierende Zukunft für China ist, ist vielleicht verständlich, warum Peking es für erforderlich hält, drastische Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes zu ergreifen.

Der Zeitpunkt der letzten Ereignisse hätte jedoch nicht schlechter sein können. Im vergangenen Jahr hatten Chinas Reformfortschritte sogar einige der größten Skeptiker in der internationalen Investorengemeinschaft bekehrt.  Einige waren sogar zu der Ansicht gekommen, dass Chinas A-Aktien zu den Standardindizes MSCI und FTSE Russell Group hinzugefügt werden sollten.  Und es gab sogar wachsenden Optimismus, dass der Internationale Währungsfonds im November dieses Jahres entscheiden würde, den Yuan in seinen Korb von Sonderziehungsrechten (SZR) aufzunehmen und damit die Währung zu unterstützen und den Prozess der Liberalisierung von Währung und Kapitalverkehr anzuspornen. 

Aber Pekings Interferenz auf dem Markt hat das Vertrauen der Offshore-Investoren untergraben, und sie stellen sich jetzt die Frage, ob Peking bereit ist, ein diszipliniertes Regime des ‚freien Marktes‘ umzusetzen. Dies ist bedauerlich, da Peking in den letzten 12 Monaten bedeutende Fortschritte an dieser Front gemacht hatte. Zum Beispiel wurde das Shanghai-Hong Kong Stock Connect-Programm eingeführt, um Ausländern den Zugang zum A-Aktienmarkt zu ermöglichen; die Genehmigung von mehr RQFII-Quoten zur Erweiterung der ausländischen Marktbeteiligung beschleunigt; das Programm zur gegenseitigen Anerkennung von Fonds (MRF) zwischen Hongkong und China implementiert, um es Anlegern zu ermöglichen, Fonds grenzüberschreitend zu kaufen; und die Einführung einer Reihe von festverzinslichen und Equity-Produkten gefördert, um die Breite und Tiefe des Marktes zu erhöhen. Peking hat es schließlich sogar geschafft, die Regeln der Kapitalertragsteuer klarzustellen, um den Überhang auf Investitionen in A-Aktien zu entfernen und künftige Kapitalertragsteuerpflichten zu beseitigen und so ausländisches Kapital anzuziehen.

 

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Quelle: BNPP IP, Z-Ben Advisors, Januar 2015

Die Deregulierung und Reform der gesamten Struktur des Finanzsystems Chinas hat sich in den letzten 12 Monaten ebenfalls beschleunigt.  Die lang erwartete Einlagensicherung wurde im Mai eingeführt, um die Deregulierung der Zinssätze zu ermöglichen. China hat kürzlich die Shanghai Free Trade Zone um drei weitere Regionen erweitert: Tianjin, Fujian und Guangdong.  Währenddessen genehmigt die Peoples Bank of China (PBoC) weltweit weitere Renminbi-Clearingstellen. Und erst vor kurzem kündigte die Zentralbank an, dass sie den Onsohre-Repo-Markt für Offshore-Renminbi-Clearing und teilnehmende Banken öffnen wird. Die Ausweitung des Repo-Markts sollte die Internationalisierung des Renminbi weiter erleichtern, indem größere Kapitalflüsse in beiden Richtungen unter der Kapitalbilanz möglich werden.

 

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Quelle: BNPP IP Asia, Juli 2015

Die Öffnung der chinesischen Kapitalbilanz hat breite und tiefe Auswirkungen nicht nur für ausländische Investoren, sondern vielleicht noch mehr für diejenigen innerhalb Chinas Grenzen. Die Liberalisierung impliziert eine Änderung des Status quo und eine Neuordnung des Gleichgewichts zwischen Gewinnern und Verlierern. Wenn es zum Beispiel den Marktteilnehmern erlaubt wird, die Zinsen auf Basis von Angebots- und Nachfragefaktoren festzulegen, ermöglicht dies eine gerechtere und effizientere Kapitalallokation. Im alten Regime hatte die PBoC die Kontrolle darüber, wer die Gewinner und Verlierer waren - zum Beispiel durch die feste Zinsstruktur. Im Allgemeinen waren die Hauptbegünstigten der finanziellen Repression historisch Staatsunternehmen (SOEs – state-owned enterprises) und Banken; und die Verlierer waren Sparer und nicht mit SOE verbundene Unternehmen. 

Lassen wir uns nicht täuschen, Liberalisierung und Reformen sind notwendig, um eine sozial stabile und wirtschaftlich prosperierende Zukunft für China zu gewährleisten - und dies hat Peking gut erkannt. China scheint echte Motive haben, um seinen Finanzmarkt für die Welt zu öffnen. Schließlich werden die Pläne des Landes für Reformen / Schaffung eines neuen Gleichgewichts viele Jahre in Anspruch nehmen und teuer werden - vielleicht sogar teurer, als China sich leisten kann. Aber im Gegenzug können ausländische Investoren an Chinas wahrscheinlichem langfristigem Wachstum teilhaben. Mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden und Penetrationsraten im Inlandskonsum deutlich unter jenen der meisten entwickelten Märkte muss das volle Potenzial des chinesischen Konsums noch entfesselt werden. 

Zweifellos haben die jüngsten Ereignisse das Vertrauen der Anleger untergraben. Für wie lange ist an diesem Punkt unklar. Welche Schritte Peking von nun an unternimmt, wird entscheidend für die Wiederherstellung des Vertrauens der internationalen Investorengemeinschaft sein und um Vertrauen zu schaffen, dass Chinas finanzielles Haus in Ordnung ist. Bis weitere Gewissheit besteht, dass die Reform für freie Märkte auf dem richtigen Weg ist, kann ausländisches Kapital zögern, auf den Liberalisierungszug aufzuspringen.


This article originally appeared on BNP Paribas Investment Partners' 'Investors' Corner'.

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