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Solvency II: Was kommt nach den 3 Säulen?
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Solvency II: Was kommt nach den 3 Säulen?

19/03/2015

Felix Schachter, der Verantwortliche für den britischen Versicherungssektor bei BNP Paribas Securities Services, untersucht, welche Chancen sich durch den Wandel des wirtschaftlichen Umfelds und die Einführung von Solvency II für die Wertschöpfung ergeben

Wenn Sie die Berichterstattung zu Solvency II in den letzten Monaten verfolgt haben, wissen Sie möglicherweise bereits alles über die drei Säulen, deren Umsetzung am 1. Januar 2016 beginnt. Falls die Richtlinie Ihr Unternehmen betrifft, fühlen Sie sich vielleicht überfordert angesichts der unzähligen Berichte, Formulare, Formate und der Komplexität der Daten, die im Vorfeld benötigt werden.

Abgesehen von den technischen Anforderungen besitzt Solvency II jedoch durchaus das Potenzial, wirtschaftlichen Nutzen für Ihr Unternehmen zu generieren.

 

Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Vermögensverwalter und -inhaber

Die Beziehung zwischen den Inhabern der Vermögenswerte (Versicherer, Pensionsfonds, Staatsfonds) und den Verwaltern ist seit jeher eng. In manchen Fällen trägt der Manager die volle Verantwortung für die Verwaltung der Vermögenswerte. In anderen Fällen lagert der Inhaber nur einen Teil der mit der Vermögensverwaltung verbundenen Arbeit aus. Die Beziehung ist immer von beiderseitigem Nutzen und jeder hat eine bestimmte Rolle.

Die Solvency II-Vorschriften geben der Interaktion zwischen Inhabern und Managern eine neue Richtung. Die Inhaber müssen jetzt mehr von den Verwaltern verlangen als je zuvor. Neben der Berichterstattung an die Aufsichtsbehörden werden zunehmend weitere zentrale Funktionen ausgelagert – zum Beispiel müssen sie an der Berechnung der Solvenz-Kapitalanforderungen (Solvency Capital Requirements, kurz: SCR) der Vermögenswerte mitwirken. Generell tritt der Verwalter verstärkt als Spezialist auf den Plan, der dem Inhaber mehr zentrale Daten zur Verfügung stellt. Dies ist von dem Betrag abhängig, den die Inhaber der Vermögenswerte in Solvency II investiert haben und auf den sie einen Ertrag wünschen. Von ihren Partnern aus der Vermögensverwaltung erwarten sie Unterstützung beim Erreichen dieses Ziels.

Welche Perspektive nimmt der Verwalter in diesem Szenario an? Das Dickens-Zitat „Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten…” trifft den Nagel auf den Kopf.

Verwalter, die sich gut auf Solvency II vorbereitet haben, können ihr Geschäft fördern, indem sie die Inhaber dabei unterstützen, sich auf die neue Regelung einzustellen. Fall die Verwalter noch nicht bereit für die Richtlinie sind, wird es ihnen nicht gelingen, die Kriterien der Ausschreibungen zu erfüllen. Zudem verlieren sie möglicherweise Stammkunden. Eine gute Vorbereitung auf Solvency II wird schnell zu einer Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit den Versicherern.

 

Wertschöpfung mit Solvency II – das Aufsichtsrecht als Faktor der Performancesteigerung

Je näher die Frist für Solvency II rückt, desto stärker konsolidieren die Aufsichtsbehörden ihre Position hinsichtlich der risikobezogenen „Big Data“. Dabei geht es nicht nur darum, dafür zu sorgen, dass die Daten sauber und geeignet für die Berichterstattung sind, sondern auch darum, die gesammelten und gemeldeten Daten so aufzubereiten, dass sie als Grundlage für Entscheidungen herangezogen werden können.

Solvency II erzwingt die Konsolidierung von Risiko und Berichterstattung. Risiken wurden schon immer gemessen und gemeldet, entscheidend ist jedoch die Genauigkeit der Daten.  Durch die umfangreiche Arbeit, die aufgrund von Solvency II in den letzten Jahren im Versicherungssektor geleistet wurde, hat sich die Qualität der Daten, die für Risikoquantifizierung, -qualifizierung und -berichterstattung zur Verfügung stehen, verbessert. Sie sind sauberer, verständlicher und haben vielen Unternehmen trotz des schwierigen Wegs dorthin geholfen, sich zu fokussieren und ihr eigenes Geschäft besser zu verstehen.

Darüber hinaus haben technologische Entwicklungen bei der Datenvisualisierung sowie Plattformen wie Tablets und mobile Geräte dazu beigetragen, dass die Daten nicht nur leichter verfügbar sind, sondern auch auf eine Art und Weise präsentiert werden können, die das Treffen von Entscheidungen auf der Führungsebene erleichtert.

Leistungsfähige Tools zum Treffen von Entscheidungen müssen von sauberen, akkuraten Daten ausgehen. Nur dann können sie so zusammengestellt werden, dass sie einen benutzerfreundlichen Einblick in die Anlagen bieten und in der gewünschten Form auf die Informationen zugeschnitten sind, die die Benutzer interessieren – und nur so können die Benutzer die Auswirkungen systemischer Risiken nach ihren Bedürfnissen simulieren lassen. Damit verkürzt sich die Zeit, die für die Analyse und Interpretation der Daten erforderlich ist, bevor Maßnahmen ergriffen werden können.  

Das Verfahren geht über die einfache Berichterstattung zu Vermögenswerten und ihren Risiken hinaus. Hier geht es auch um Aktiv-Passiv-Steuerung und den Zugang zu Echtzeit-Berichten. Angesichts des Umfangs des Vermögens-Pools und der makroökonomischen Risiken des aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfelds ist das ein großer Unterschied.

 

Den Umbruch als Chance wahrnehmen

Für Versicherer liegt der Vorteil darin, dass sie Anlageentscheidungen schneller treffen und den Anlageertrag maximieren können – und dies in einer Zeit, in der die Underwriting-Zyklen schwer zu prognostizieren sind, die Ansprüche inflationär zunehmen und die Reserven nicht ganz einfach freigesetzt werden können.

Für Vermögensverwaltungsgesellschaften ist dies eine Chance, ihren Versicherungskunden zu zeigen, wie sie Wert schöpfen und Risiken quantifizieren, aber auch um angesichts der präsentierten Daten die Anlageberatung zu verbessern und gleichzeitig das Risiko zu senken.  Wenn sie demonstrieren, dass sie das Geschäft ihrer Kunden verstehen und wie sie die Anlageerträge maximieren können, ist dies die beste Visitenkarte, um als echter Partner auf den Plan zu treten.

Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um sich um die Anlageerträge unter Solvency II zu kümmern. Die Vorbereitung auf die Umsetzung der Richtlinie war von Anfang an mühsam und kräfteraubend. Die gute Nachricht lautet aber, dass sich Versicherer und Vermögensverwalter dadurch gleichermaßen einen Vorsprung verschaffen können.

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