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Eine Frage des Anreizes
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Eine Frage des Anreizes

27/11/2015

Author : Madhu Gayer, Director, Head of Investment Analytics, Asia at BNP Paribas

Madhu Gayer sieht sich an, wie eine Kombination von staatlichen Eingriffen und Engagement des Privatsektors erforderlich ist, um die ESG-Ziele im asiatisch-pazifischen Raum voranzubringen

Madhu-Gayer_vignette-blogueur.jpgESG ist ein heißes Thema – aber die Standards sind oft in der Theorie einfacher umzusetzen als in der Praxis.

Die Durchsetzung von ESG-Standards durch nationale Regierungen ist eine entscheidende politische Kraft, um Bewusstsein für die Bedeutung der Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die Umwelt und die Gesellschaft sowie die Bedeutung einer guten Governance zu schaffen.

In den USA verlangt die Securities and Exchange Commission, dass alle Unternehmen, die standardisierte Jahresberichte einreichen, Angaben zu Gefahren des Klimawandels aufnehmen, die sie für ihre Gewinne als „wesentlich“ einschätzen. Damit stehen sie nicht alleine da: CDP, ursprünglich das Carbon Disclosure Project, Kohlenstoffoffenlegungsprojekt, eine Stelle, die Umweltdaten für Anleger sammelt, schätzt, dass mehr als die Hälfte der an 31 der größten Börsen der Welt notierten Unternehmen diese Art von Daten veröffentlichen, oft über Börsenzulassungsvorschriften.

Doch aufsichtsrechtliche Berichtsstandards sind nicht immer wirksam, um einzelne Unternehmen dazu anzuregen, ihren Fußabdruck zu verbessern. Ein kürzlicher Bericht der Harvard Business School[1] konnte in einigen der Länder, die sie befragte, keine bedeutende Verbesserung der Offenlegung durch Unternehmen nach der Einführung verpflichtender Nachhaltigkeitsberichtsanforderungen feststellen.

In den Worst Case-Szenarios machen wöchentlich überwachte verpflichtende Programme aus der ESG-Berichterstattung die Art von wirkungsloser Ankreuzübung, die früher Risikomanagementinitiativen plagte.

Im besten Fall ist es jedoch meist die Wirtschaft, die den Weg ebnet.

Drei auf den asiatisch-pazifischen Raum konzentrierte Beispiele helfen, die Vorteile von von der Wirtschaft geführten ESG-Initiativen aufzuzeigen – und enthüllen die Hindernisse bei der Umsetzung.

 

Weltweite Kampagne, lokaler Einsatz

 

Auf den ersten Blick scheint Australien die Ausnahme zu sein, die die Regel bestätigt: Die Regierung hat versprochen, die allgemeinen Emissionen bis 2030 im Vergleich zum Niveau 2000 um 19 % zu senken (wobei man anmerken sollte, dass dies eine Senkung um 30 % gegenüber 2005 darstellt). Doch die Verabschiedung ausdrücklicher Vorschriften für die Unternehmen wurde bisher weitestgehend einzelnen Branchen und Akteuren überlassen.

Vor Kurzem, im November, haben zwölf australische Firmen die We Mean Business-Kampagne unterzeichnet, eine Initiative, die von 412 – und weiteren – der größten Unternehmen und Investoren der Welt angetrieben wurde. Die Kampagne definiert Ziele, einschließlich der Festlegung eines internen Kohlenstoffpreises und der Verabschiedung sogenannter „Wissenschafts-basierter“ Emissionsziele. Die Ziele wenden die jüngste Klimaforschung an, um zu ermitteln, um wie viel die Emissionen gesenkt werden müssen, um das Ziel von „2 °C weltweit“ zu erreichen – den Anstieg der durchschnittlichen Temperatur auf der Erdoberfläche seit Beginn der industriellen Revolution auf 2 Grad Celsius zu beschränken.

Unter den Unterzeichnern sind Energieunternehmen, aber auch Banken, einschließlich ANZ und Commonwealth Bank (CBA), sowie ein großer Telekommunikationsanbieter. Die We Mean Business-Versprechen gehen über den eigenen Umweltfußabdruck eines Unternehmens hinaus. Zwei der sieben Zusagen – die Beseitigung der Rohstoff-getriebenen Waldrodung aus allen Lieferketten bis 2020 und die Energieerzeugung aus 100 % erneuerbaren Quellen – hängen ausdrücklich mit der Lieferkette zusammen.

In der Finanzbranche werden Anforderungen zunehmend in Darlehens- und Investitionsverträge geschrieben. Heute unterstützen mindestens 33 australische Vermögensinhaber die Integration von ESG in die Anlageanalyse und allgemeinere Entscheidungsprozesse. Im November versprach die CBA, umfassende Umweltrisikomanagementrahmen auf ihre Anlageentscheidungen in ihrem Wealth und Asset Management-Geschäft anzuwenden.

Australien zeigt die Fähigkeit einzelner Unternehmen, zu reagieren, wenn eine Regierung eine breitere Zusage für das Vorantreiben der ESG-Pläne macht. Weltweite Initiativen der Wirtschaft, wie We Mean Business, bieten einen Weg, Engagement zu koordinieren und zu messen.

 

Der Staat als Wachhund

 

Das Beispiel der indonesischen Palmölindustrie zeigt, wie Initiativen der Wirtschaft und des Staates miteinander in Konflikt geraten können.

Diesen Herbst hüllte das illegale Abbrennen von Wäldern und Agrarland im ganzen Land erneut zahlreiche südostasiatische Länder in einen beißenden Dunst, während dies ein polarisierendes Ereignis geworden ist. Die Umweltkatastrophe hat die Schließung der Schulen im benachbarten Malaysia für zwei Tage Anfang Oktober erforderlich gemacht und zehntausende Malaysier und Indonesier wegen Atemproblemen zum Arzt geführt.

Bis September, als trockenes Wetter die Feuer weiter anzuheizen drohte, hatte die indonesische die Zulassungen von vier Palmölunternehmen zurückgenommen, die unter dem Verdacht standen, Wald abzubrennen, um das Land für Palmenplantagen zu befreien, was sie zwang, die Produktion einzustellen, und die Aussichten auf ein Strafverfahren erscheinen ließ. In der Zwischenzeit werden verdächtige Unternehmen bereits durch unilaterale Maßnahmen ausländischer Unternehmen bestraft. Nach einem Aufschrei der Bevölkerung in Singapur versprachen zehn Papierhersteller, kein Holz mehr bei indonesischen Lieferanten einzukaufen, die der illegalen Brandrodung verdächtigt werden.

Es gab eine plötzliche Kehrtwende, als im Oktober die Regierung die großen Palmölhersteller aufforderte, ihre Zusagen an die UN, alle Rodungen zu stoppen, zurückzunehmen. Ihre Logik: Die Einhaltung der neuen Standards würde viele kleine Unternehmen der Branche wettbewerbsunfähig machen, daher wurde beschlossen, eine nachhaltige Wirtschaft über Nachhaltigkeit für die Umwelt zu stellen.

 

Der Staat als treibende Kraft

 

In Malaysia bauen jüngste Entscheidungen der Pensionsfonds auf der von staatlichen Initiativen angestoßenen Dynamik auf.

Die ESG-Berichterstattung ist seit 2007 für alle börsennotierten Unternehmen verpflichtend, aber in letzter Zeit sind große Anleger aktiver geworden: Bei seinem letzten Haushalt versprach der Staat Maßnahmen, um das Profil börsennotierter Unternehmen mit sehr sozialverantwortlichen Ansätzen zu verbessern.

Große malaysische Anleger, einschließlich des Pensionsfonds Employees Provident Fund und des Armed Forces Fund haben vor Kurzem eine Führungsrolle übernommen, indem sie ESG-Standards in Anlagerichtlinien übernahmen.

Diese Entscheidung wird für einige Branchen, in denen die Unternehmen Standards nur langsam verbessern, Herausforderungen schaffen. In solchen Fällen kann eine strenge Untersuchung bedeuten, dass ein Fonds Eigentümer des Löwenanteils der übrigen Titel wird, was das Konzentrationsrisiko erhöht und ESG-Investment in Konflikt mit Risikomanagement und Performance-Zielen bringt.

Dies stellt für Vermögensinhaber in Entwicklungsländern eine besondere Herausforderung dar. Aber es lohnt sich, sie anzugehen, wenn man berücksichtigt, wie groß der Einfluss von Entscheidungen von Vermögensinhabern sein kann.

So liegen zum Beispiel die Assets under Management von Unterzeichnern der von den UN gestützten Principles for Responsible Investment (PRI) (Prinzipien für verantwortliches Investieren) jetzt bei über 59 Billionen USD. Mehr als die Hälfte der extern verwalteten Mittel dieser unterzeichnenden Vermögensinhaber unterliegen der ESG-Integration und 71 % haben die Unternehmen gebeten, ESG-Informationen in ihre Finanzberichterstattung aufzunehmen. In der Zwischenzeit hat die Anleger-geführte Portfolio Decarbonisation Coalition versprochen, mit 100 Mrd. USD an institutionellen Kapitalanlagen aus dem Kohlenstoff auszusteigen.

 

ESG-Stresstests

 

Welche ESG-Informationen genau berichtet werden sollten, stellt daher eine zunehmende Sorge der Anleger dar. Und eine häufige Frage unserer Kunden hängt mit der Gestaltung eines effektiven ESG-Prozesses zusammen, um das Engagement über die Formulierung einer Reihe wager Ziele hinauszubringen.

Unsere Arbeit hat sich in letzter Zeit auf die Entwicklung eines spezifischen Rahmens für ESG-Stresstests konzentriert. Die Investmentbranche ist es gewöhnt, die Auswirkungen einer plötzlichen Explosion der Kreditspreads auf ein festverzinsliches Portfolio an einem Modell zu untersuchen. Unser neues Modell der ESG-Szenarioanalyse wendet vertraute Methoden an, um die Auswirkungen zum Beispiel eines plötzlichen Anstiegs des Preises der Kohlenstoffemissionen an einem Modell zu untersuchen. Das Einbringen vertrauter Analysemethoden in diesen neuen Bereich hilft den Kunden, dieAuswirkung eines solchen Szenarios auf Forderungen und Verbindlichkeiten zu verstehen.

 

[1] The Consequences of Mandatory Corporate Sustainability Reporting: Evidence from Four Countries, Ioannis Ioannou, George Serafeim, Harvard Business School August 2014 http://www.hbs.edu/faculty/Publication%20Files/11-100_7f383b79-8dad-462d-90df-324e298acb49.pdf

 

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